Theater der Zeit

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Das Westschweizer Momentum

Die Romandie und das Theater der Westschweiz

von François Gremaud

Erschienen in: Arbeitsbuch 2025: diversité suisse – landscapes des zeitgenössischen theaters (07/2025)

Assoziationen: Schweiz

J & J (Jessica Huber & James Leadbitter aka the vacuum cleaner), Recherche « the art of a culture of hope », Luzern, 2016
J & J (Jessica Huber & James Leadbitter aka the vacuum cleaner), Recherche « the art of a culture of hope », Luzern, 2016Foto: Nelly Rodriguez

Seit rund zehn Jahren finden die Darstellenden Künste der französischsprachigen Schweiz über ihre Grenzen hinaus eine gewisse Beachtung – sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum. Besonders das Theater stößt in Frankreich auf großes Interesse. Trotz einiger Vorreiter (darunter das Theater von Benno Besson, als er in den 1980er Jahren die Comédie de Genève leitete) scheint mir das Ansehen, das das Westschweizer Theater aufgrund seiner Vielfältigkeit genießt, zum einen recht neu zu sein und zum anderen sagt es etwas aus über die vor Ort zu spürende künstlerische Blüte – eine erfreuliche Dynamik, die mir manchmal das Gefühl gibt, ihr nicht nur beizuwohnen, sondern ihr auch (mit Vergnügen) anzugehören. Ein wenig pompös möchte ich das hier als das „Westschweizer Momentum“ bezeichnen.1

Da ich die wahren und vollständigen Gründe für die derzeitige Beliebtheit unserer Produktionen in Frankreich (und anderswo) nicht kenne, erlaube ich mir, einige Hypothesen aufzustellen, um vor allem – das ist das Ziel dieses Essays – jene Hypothese zu formulieren, die meiner Meinung nach zumindest teilweise den Ursprung dieses berühmten „Momentums“ erklärt.

Die Westschweizer Theaterlandschaft funktioniert mehr oder weniger wie die in Frankreich: Die Theatergruppen sind größtenteils unabhängig, produzieren allein oder in Kooperation mit einem oder mehreren Theatern,...

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