Rostock: »Ein neuer Sommernachtstraum«
Aus TdZ 2/1985
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
»Ein neuer Sommernachtstraum« war das erste große Werk aus dem DDR-Ballettschaffen auf der Bühne des Volkstheaters. Wer sich der Uraufführung an der Komischen Oper Berlin in Tom Schillings Choreographie erinnert, kann ermessen, welch Wagnis Joachim Ahne mit der Zweitinszenierung des nicht einfachen Werkes einging. Er schuf eine den Gegebenheiten seines Ensembles und den Absichten seiner Konzeption angeglichene Bühnenfassung als Voraussetzung für eine akzeptable, in manch einer Szene bewegende (gedanklich recht vollgepfropfte) Aufführung.
Ahne konzentriert die Geschichte auf den Kontrast zweier sehr verschiedenartiger Familien: Ideales Paar mit Tochter (Titania/Oberon/Silvia) — reales (konfliktbelastetes) Paar mit Sohn (Dorothea/Hermann/Ludwig). Auf Nebenfiguren verzichtet er. Die Zweithandlung mit dem Partnertausch innerhalb zweier (Hochzeits-)Paare bleibt Bestandteil der Handlung. Die Halbwüchsigen geraten im zweiten Teil verwirrend untereinander, was die moralische (Aus-)Wirkung des nächtlichen Traumes verunklart. Am Ende werden keine Lösungen angeboten, sondern Fragen offengelassen. Ich empfand das durchaus als Positivum der Aufführung, denn sie regt damit zu Disputen an.
Zu diskutieren wäre auch über die Musik-Choreographie-Beziehung (Tonbandeinspielung einer Aufnahme der Komischen Oper Berlin). Denn die dramaturgischen Veränderungen hatten mehrfach Umfunktionieren der ursprünglichen Autoren-Absichten zur Folge. Imponierend der vitale tänzerisch-interpretatorische Einsatz des stilistisch vielseitig geforderten Ensembles.
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