Bauhaus Dessau: »Der Salon«/»Triptychon«
Aus TdZ 2/1984
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Das Theater im Bauhaus Dessau besteht seit rund 50 Jahren. Kontinuierlich benutzt für Tanzaufführungen wurde es jedoch nur zu Bauhauszeiten (1925–1932). Im Juli 1927 wurden sechs Tänze aus Schlemmers »Triadischem Ballett« gezeigt. Ansonsten veranstaltete die Bühne eigene Abende, mit denen sie auswärts gastierte. Jahre später trat Palucca in dem berühmten Haus auf. Es ist verdienstvoll, daß sich Dessaus Ballettmeister Karl-Heinz Gerlach auf Traditionen der Bauhausbühne besann.
Unterschiedlich wie die verwendeten Musiken sind auch die Themen der beiden Werke des Kammertanzabends. Das erste steht musikalisch im Zeichen des Violinvirtuosen Fritz Kreisler (1875–1962). Unter dem Titel »Der Salon« hat der Choreograph fünf der raffiniert verfertigten Stücke zu einem Zyklus zusammengestellt. Sein Thema sind Selbstzufriedenheit, Umwelt-Blindheit und Dekadenz der morbiden Gesellschaft zwischen den zwei Weltkriegen: Mag außerhalb des Salons geschehen, was will – man amüsiert sich, flüchtet sich ins Banal-Zwischenmenschliche, in eine Trivial-Erotik. Symbol für das menschliche wie gesellschaftliche Versteckspiel ist ein Maskenball.
In »Tango« flirtet eine boabehängte Dame nacheinander mit drei gigolohaften, stark pomadisierten Herren in Frack und Galoschen. »Romanze« zeigt die Begegnung einer jugendlich-naiven Haustochter mit einem eleganten Salon-Ganoven, der trotz Augenklappe klar zu sehen und seine Chance zu nutzen weiß. »Schön Rosmarin«, der Tanz dreier...
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