Sieg der monumentalen FormUraufführung des »Canto General«
Aus TdZ 7/1989
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Ein ehrgeiziges Projekt, dieser getanzte »Große Gesang«, der im Berliner Palast der Republik seine Uraufführung erlebte. An der Entstehung des oratorienhaften Werkes sind Künstler von Weltrang beteiligt: Chiles umgetriebener Nationaldichter Pablo Neruda, der 1948, im europäischen Exil, jenen gewaltigen Gedichtzyklus schrieb; Griechenlands Nationalkomponist Mikis Theodorakis, gesellschaftlich nicht weniger engagiert und ebenso hartnäckig verfolgt, der seinen dreizehnteiligen Liederzyklus 1971 im französischen Refugium schuf. Präsident Allende hatte die zu vertonenden Gedichte noch mit ausgesucht. Anläßlich des Pfingsttreffens der FDJ erblickte nun eine »Poem für Tänzer« untertitelte Bühnenfassung des »Canto General« das Licht der Welt. Der Zentralrat der FDJ, der gastgebende Palast der Republik, die Ballettkompanien der Komischen Oper und des Erich-Weinert-Ensembles der NVA sowie der VEB Deutsche Schallplatten, dessen hochkarätige Einspielung die musikalische Grundlage bildet, hatten sich unter Bernd Köllingers künstlerischer Leitung in diese Gemeinschaftsproduktion geteilt. Elf der Gesänge fügte Köllinger für sein Libretto zusammen und stellte Harald Wandtke als Choreograph und Inszenator vor keine einfache Aufgabe.
Erdfarbene Stoffbahnen verleihen dem weißen Bühnenboden ein Streifenmuster. Seitlich betreten glatzköpfige Urwesen in losen Gewändern die Bühne. Ihre Gesichter tragen zur Hälfte die Farbe jener Stoffbahnen, unter denen die Gestalten verschwinden. Dann speit die Erde sie wieder aus. Statt findet die Geburt der...
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