Zuerst zwei Fragen zur Bibliografie: wie ist der Stand von Nawalnys Briefen im russischen Original bzw. wie und nach welchen Kriterien erfolgte die Auswahl zur Aufbereitung für die Übersetzung ins Deutsche?
Katja Kolm: Bei den Schriften handelt es sich nicht um Briefe im klassischen Sinne, sondern um Alexej Nawalnys Texte, die ich zufällig im Internet gefunden habe. Die Lesung besteht aus Postings und seinen Reden vor Gericht aus dem Zeitraum Herbst 2020 bis zu seinem Tod am 16. Februar 2024. Von Beginn an hatte ich mich auf diesen Zeitraum festgelegt, da ich die Lesung mit Texten beginnen lassen wollte, die er nach seiner Genesung vom Giftanschlag noch in Deutschland, also vor seiner Rückkehr nach Moskau, verfasst hatte. Julia Nawalnajas Texte sind auch Postings bzw. Ausschnitte aus einem Interview. Die von mir gesammelten Texte sind umfangreich und füllen einen dicken Aktenordner. Bei der Auswahl für die Lesung war es mir wichtig, verschiedene Themen vorkommen zu lassen, wie z. B. seine Erfahrungen mit den Deutschen und seine Beweggründe, nach Russland zurückzukehren; seinen Hungerstreik im Gefängnis, samt dessen Alltag und Strafsystem; und nicht zuletzt seine große Liebe zu seiner Frau Julia. Im Winter 2023/24, während meiner Vorbereitung für die Uraufführung bei den Salzburger...
Erschienen am 10.3.2025