Nachruf
Ein moderner Konservativer
Nachruf auf den Intendanten und Dramaturgen Bernd Wilms
Assoziationen: Akteur:innen Maxim Gorki Theater Deutsches Theater (Berlin)

Was für ein Finale: Erst Ensemble-Gala: vierzig Leute mit Schnipseln aus 43 Inszenierungen; vorweg Doyenne Inge Keller mit Max-Reinhardt-Prolog und herzergreifender Liebeserklärung. Dann Wowereit-Worte staatstragend. Dann Konzert (Samuel Finzi & Band), Volksfest, Bier, Bouletten, Schwof. Alles übertragen nach draußen. Dann noch Feuerwerk. Wann je erlebte Berlin ein derart überbordendes, bei freiem Eintritt öffentlich zugängiges Theaterfest? Es war am 11. Juli anno 2009 im Deutschen Theater, das Adieu seines Intendanten Bernd Wilms. Der triumphale Schlussakkord einer Karriere als Dramaturg, Hochschullehrer, Theaterchef.
Dabei hatte man ihm das DT nicht wirklich zugetraut. Als es offiziell war, Übernahme 2001, da gellte ein Aufschrei. „Laubenpiperlösung!“, lautete die Parole der hingebungsvoll betriebenen Kampagne. Wessi-Wilms geriet in – nicht nur damals – bizarr geführte Befindlichkeitsschlachten im deutsch-deutschen Kulturbetrieb. Und stand ziemlich allein auf weiter Flur. Umlungert von Resten arroganten Hochmuts, der im honorigen Haus besonders schwelte. Mobbing, Missgunst, aber er behielt die Nerven. Setzte auf seine gern selbsterklärte Stärke: Durchhaltevermögen.
Und auf das einfache Prinzip „Keine Konzepte, Köpfe“. Wilms hielt solcherart Pragmatismus, im Gegensatz zu manchen der Branche, für eine Grundtugend in der Theaterarbeit. Sein Start also am DT programmatisch gegensätzlich mit einem Regie-Doppel Ost-West: mit der in Berlin aufstrebenden Newcomerin Konstanze Lauterbach sowie dem etablierten Provokateur...


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