Die Schöne und das Tier. »La Belle et la bête« in Karl-Marx-Stadt
Aus TdZ 6/1990
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Um das Karl-Marx-Städter Ballett am Rand der DDR-Welt ist es derzeit nicht zum besten bestellt. Von den vorhandenen 32 Tänzerplanstellen sind nur 18 besetzt: 13 mit Damen, fünf mit Herren.
Seit der Schließung des Opernhauses steht dem Ensemble der bescheidenere Luxor-Palast als Spielort zur Verfügung. Zwei Jahre lang sah sich die Leitung außerstande, Spitzenschuhe zu beschaffen, was Auswirkungen auf den Spielplan haben mußte. Moderne Produktionen bildeten den künstlerischen Ausweg: 1988 ein Walzer-Abend, 1989 »Der wunderbare Mandarin«/«Hallo Mr. Gershwin« als Zweiteiler.
Mit diesen Prämissen (Spitzenschuhe lagen nun ausreichend vor) hatte Hermann Rudolph, Ballettdirektor und einer unserer produktivsten Choreographen, auch bei seinem jüngsten Projekt fertigzuwerden. Als Sujet wählte er das französische Feenmärchen »La Belle et la bête«. Aus der knapp hundertseitigen literarischen Vorlage formte er sein Libretto, indem er die Geschichte verknappte, auf ihren humanistischen Kern reduzierte.
So interessant wie gewagt die Musikauswahl. Um die überdachte Orchesterwanne der kleinen Luxor-Bühne für den Tanz nutzen zu können und finanziellen Restriktionen Genüge zu leisten, fertigte Peter Jarchow eine Musikcollage aus historischen Platteneinspielungen bedeutender Werke in Ausschnitten. Der Sphäre der Schwestern ordnet er Musik der Romantik zu, Liszt, Tschaikowski, Bruckner; der Titelheldin und ihrem Vater Musik Beethovens. Textlich treffend charakterisieren drei Deutsche Madrigale von...
.jpeg&w=3840&q=75)















