Mir zeigte sich die Welt in vielen Tänzen ...TANZSZENEN UND TEXTE von Hannelore Bey, Komische Oper Berlin
Aus TdZ 3/1988
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die Julia der Hannelore Bey in der Balkonszene – mit leiser, inniger Hingabe umschlingt sie Romeo, saugt sich geradezu an ihn. In der liebeerfüllten Zwiesprache mit ihm tanzt sie weich, geschmeidig, reaktionsschnell in Wendungen und Drehungen. Eine reife und doch ganz junge Frau.
Eine reife und jugendliche Frau, geprägt von charmanter Herzlichkeit ist sie, wenn sie als Erzählerin im langen, locker ihren zarten Körper hüllenden Netzkleid die Bühne betritt, im Sessel Platz nimmt, konzentriert, freundlich, zugleich etwas schalkhaft ihren Zuschauern in die Augen blickt und zu erzählen beginnt: »Wenn ich zurückdenke ...«
Sie spricht klar, sensibel, poesievoll und entwirft plastische Bilder. »Fünfundzwanzig Jahre tanze ich – das ist wie lebenslänglich und wegen guter Führung begnadigt.« Wieviele Kilometer Tanzweg mag sie in dieser Zeit, im Probensaal und auf der Bühne, zurückgelegt, wie viele Zuschauer begeistert haben! Faszinierend schildert sie, wie eine Rolle in ihr reift, welche Härte sie dabei gegen sich selbst aufbieten muß, wie sie mit der darzustellenden Figur auch außerhalb des Theaters lebt. Tanzen bedeutet für sie »Dichten mit den stummen Maßen meines Körpers«.
In diesem Matineeprogramm präsentiert sie sich total. Sie tanzt, geführt von Dieter Hülse als Romeo, die Julia in Balkon-, Gift- und Abschiedsszene; sie...















