Staatsoper Dresden: »Kontraste V«
Aus TdZ 8/1986
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Den Titel »Reflexionen« dieses fünften Kammertanzabends im Dresdner Kleinen Haus könnte ich mir erklären als Nachdenken über den Ausdruckstanz. Im ersten, von Harald Wandtke choreographierten Teil dominiert die Tradition Palucca; manches in Bewegungs- und Formfindung erinnert an Dresdner Improvisationsabende, während im zweiten Teil, Hilda Riveros’ Arbeit im chilenischen Staatsballett der vierziger Jahre, die Tradition Kurt Jooss durchschimmert.
Wandtke, vor Jahren von der Figur »Die gefesselte Hexe« zu einer sensiblen Tanzminiatur angeregt, stellte einen fünfteiligen Zyklus von Choreographien nach Plastiken von Ernst Barlach vor. Vier tänzerischen Studien folgt, die vier Tänzer vereinend, die Figurengruppe »Fries der Lauschenden«, die Tilla Durieux bei Barlach in Auftrag gegeben hatte und dem Entwurf für ein Beethoven-Denkmal entstammte.
Feinfühlig läßt Wandtke jede Figur zu sich kommen; langsam lebt sie in charakteristischen und charaktervollen Bewegungen auf, bis sie in allmählichem Dunkel wieder zur in sich ruhenden Plastik erstarrt. Carola Schwab ist als erste Figur die »Ekstatische Frau«, mehr freudig erregt als von Tatendrang und Aufbegehren getrieben, mit weiten Gesten und vehementen Schwüngen. Stefan Thoß erweckt den »Zweifler« aus bedrückter Haltung. Dann sinkt er zurück in seine Kauerhaltung mit leicht geneigtem Kopf und ringenden Händen. Karin Frenzel, mit der »Gefesselten Hexe« seit langem vertraut, tanzt diese verzweiflungsvoll fühlende,...















