Emmy Köhler-Richter erinnert sich
Aus TdZ 6/1988
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Kleine szenische Spiele mit meinen Eltern in frühester Kindheit sind mir noch lebendig in Erinnerung.
Mein Vater hätte die Geldmittel für eine fundierte Ausbildung seiner Tochter nie aufbringen können. Immerhin bekam ich eine Freistelle für die Höhere Mädchenschule.
In meinem zehnten Lebensjahr waren wir nach Leipzig gezogen. Eines Tages bekam ich ein altes Grammophon und Platten geschenkt. Zur selben Zeit empfing ich erste Tanzeindrücke bei einem Varietébesuch.
Tanz bedeutete mit plötzlich mehr, ich sah mir alles an, was in Leipzig zu erleben war. Bei meinem Hang zum Dramatischen und Tragischen machte Mary Wigman den stärksten Eindruck auf mich. Deshalb ging ich nach der Mittleren Reife zu ihr nach Dresden. In der Ausbildung bildete die Intensivierung der schöpferischen Fähigkeiten den erzieherischen Schwerpunkt. Gerade das entsprach meinem Interesse. Für mich stand fest, Choreographin zu werden.
Der praktische Unterricht begann jeden Morgen mit Gymnastik. Lehrerinnen der Schule – zum Beispiel Gretl Curth und Gisela Sonntag – vermittelten in Klassen- und Übungsstunden »Wigman-Technik« anhand von Themen wie: Schreiten, Gehen, Gleiten, Hüpfen, Vibrato, Schwingen, Kurvenlaufen, Spannung – Entspannung, Drehen am Platz und in der Fortbewegung. Mary Wigman gab für alle Klassen gemeinsame Übungsstunden und Improvisation. Sie erzog uns dazu, jede Bewegung bewußt auszuführen....















