Im Osten nichts Neues?Streiflichter zwischen Eisenach und Greifswald
Aus NZ, 8.7.1991
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Alles neu macht der Mai. Manchmal ist dieser Mai ein Oktober. Jener Oktober 1990 machte, außer einem neuen Deutschland, auch ein neues Ballett-Deutschland. Den reichlich fünfzig an Theatern etablierten Kompanien der Altrepublik gesellten sich die etwa fünfundvierzig Ensembles der DDR bei. Damit kann die erweiterte Prachtausgabe dieser deutschen Bundesrepublik auf ein stolzes Hundert Theater-Ballette verweisen von den rund 250 freien Truppen mehr oder minder produktiv und innovativ umrankt.
Während in den Kompanien der Altrepublik die Arbeit weitergehen darf wie vorher, finanziell weder mehr noch weniger bedroht, kann von einer Entkrampfung der ökonomischen Situation innerhalb der Ensembles des »Beitrittsgebiets« kaum die Rede sein. Allein der Übergang der Theater von der Hoheit der einstigen Bezirke in jene der neuformierten Länder und/oder Kommunen bringt verwaltungstechnische Probleme mit sich. Hinzu kommen personelle und monetäre Schwierigkeiten: Wie jedem Bürger, Betrieb, Institut wurde allen Theatern dank der Währungsreform der Etat halbiert. Ungleicher Lohn bei gleicher Leistung in Ost und West, expansive Personalabwanderung in Richtung Altrepublik, Beeinträchtigung jeglicher Theaterarbeit sind die Folgen.
Umgekehrt konstatiert nicht nur Sachsen-Anhalts zuständiger Minister »massenhafte Abkehr der Bürger von der Kultur«, bedingt durch extrem hohe Arbeitslosigkeit, rapide Preissteigerungen, allgemeine Verunsicherung auf dem Gebiet der Ex-DDR. Das Ballett kann davon nicht unbetroffen bleiben....
















