Jazz dance: Drei Beispiele
Aus UK 8/88
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Sie stammen von Birgit Scherzer, Tänzerin an der Komischen Oper Berlin und interessanteste unserer nationalen Choreographen der jüngeren Generation. »Stille«, »Allein« und »Keith« gemeinsam ist, bei aller Verschiedenheit, der Erfolg, den sie bei Zuschauern, Kritik und Interpreten haben. »Stille« errang beim Choreographenwettbewerb 1987 den 1. Preis, für »Allein« erhielt Birgit Scherzer einen Sonderpreis.
»Stille« wendet sich einem hochbrisanten, beklemmend aktuellen Thema zu: menschlichen Deformationen hier und heute. Noch im Dunkeln setzt die Musik ein, eine elektronische Collage von Reinhard Lakomy. Nacheinander künden die Stimmen eines Mannes und einer Frau in gehobener Tonlage und mit plakativ-beschwichtigenden Worten von einem Frieden, der sich durch nichts mehr aus seiner Stille reißen läßt. Spots heben fünf isoliert sitzende Typen hervor: den geschniegelten, geduckt hockenden Bürokraten, den in eine Zeitung stierenden Macho in Pyjamahose, die abgestumpft welkende Frau mit wirrem Haar, ein punkerhaftes Teenagerpaar. Erschreckt wehren sie ab, als das Licht sie trifft, denn sie scheuen jede Öffentlichkeit. Schon diese Exposition ist ein Blick hinter die Fassade geschönter Wirklichkeit. Das Spiel, das die Choreographin mit jenen Figuren entfaltet, bricht den Inhalt des Einleitungstextes rauh und entlarvt ihn als verlogenes Geschwätz. Hilflos irren die skurril-tragischen Gestalten im Raum umher, lamentierend und gestikulierend stürzen sie an die...
















