All you need is love – Tanz von Spitze bis JazzBallettszene Nordostdeutschland
Aus NZ, 29.1.1992
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
In Mecklenburg-Vorpommerns Ballettszene ist Bewegung gekommen. Vier der fünf Kompanien haben einen neuen Ballettmeister sowie eine veränderte Truppe: Schwerin, Greifswald, Stralsund und Neustrelitz; Rostock arbeitet, nach dem Fortgang des langjährigen Leiters Manfred Schnelle, mit Gastchoreographen. Vorwärts also zu neuen Ufern?
Seit Juni 1991 ist Joachim Lauenroth, ehemals Solist im Staatlichen Tanzensemble Berlin, Choreograph am Theater Greifswald. Seine achtköpfige Truppe verfügt noch über Vakanzen. Berührendes Theater möchte Lauenroth offerieren, nach Möglichkeit Erzähltheater im Crankoschen Sinn. In diese Richtung zielte
Mitte 1991 seine Version der »Widerspenstigen Katharina«, die an Greifswalds Tradition des Handlungsballetts anknüpfte. Repräsentant dieser Tradition war rund ein Jahrzehnt Ballettmeister Frank Männel. Nach dessen plötzlichem Tod versiegte Greifswalds so kräftig fließender Ballettstrom; die fünfjährige Rekonstruktion des Theaterbaus, mit Spielbetrieb in einer benachbarten Interimsstätte, brachte die einstige Balletthochburg endgültig zu Fall. Sie wieder zu errichten ist für den jungen Choreographen
keine leichte Aufgabe, gilt es doch, die nachgebliebenen und die frisch engagierten Tänzer zu einer Kompanie zu verschweißen, ein neues Repertoire zu begründen, das frühere Ballettpublikum zu mobilisieren.
Diesen Absichten dient als jüngste Produktion der »Tanzpalette 1« untertitelte Kammertanzabend »Illusionen«. Sechs kürzere Stücke, verbunden durch Textrezitationen nach Sarah Kirsch, deren Themen ebenfalls Sehnsucht und Zweisamkeitszweifel...
















