Zur Liebe frei geträumt. »Ein Sommernachtstraum oder Der Traum von Asgard« in Gera
Aus TdZ 6/1986
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die erste Uraufführung eines abendfüllenden Handlungsballetts wurde zur wohl gewichtigsten, geschlossensten Arbeit des Ensembles. Inge Berg-Peters und Dramaturg Wolfgang Ranke zeigten sich von Shakespeares verwirrendem und betörendem »Sommernachtstraum«, den sie mithilfe der Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy/Reinhard Lakomy/Günter Schimm in eine Tanzhandlung transportierten, sichtlich inspiriert.
Im Festsaal des Theseus beginnt das zauberische Spiel. Zwei Krieger drängen die aufbegehrende Amazonenkönigin Hippolyta herein, die Theseus streng, doch mit Sanftmut zum Bleiben zwingt. Erschöpft sinkt sie in Schlaf, als Nebel ihre Ruhestatt umspielt, wandelt Traum ihre höfische Umgebung in rätselvolle Natur. Die Bartholdysche Musik, die alle »realen« Szenen der liebenden Menschen trägt, verklingt, vom Crescendo sphärisch-elektronischer Klänge (Reinhard Lakomy), Charakteristikum der Welt Titanias und Oberons, abgelöst. Nun ereignen sich die bekannten lieblichen Intrigen und kuriosen Verwechslungen, bis Oberon dem Übermut des Puck Einhalt gebietet und alles wieder ordnet. Geläutert von ihren Traum-Erfahrungen, gibt Hippolyta Theseus’ Werben nach. Ein dynamischer Pas de deux mit kraftvollen Hebungen und innigen Umarmungen offenbart die Zuneigung beider. Das Herzogpaar, Hermia/Lysander und Helena/Demetrius amüsieren sich an der Farce der Handwerker. In etwas steifer Finalaufstellung (»Hochzeitsmarsch«) das Happyend.
Die Angleichung von Tanzhandlung und vorhandener Musik gelang bis auf wenige »Brüche« bemerkenswert organisch. Mendelssohn Bartholdy (zwei Sinfoniesätze, vier Teile der Sommernachtstraum-Musik) und...
















