Männer unter EinflußKomische Oper Berlin: »Circe und Odysseus«
Aus TdZ 1/1994
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Arila Siegert meint, was in jedem Menschen drinsteckt, sei das Entscheidende. Und diese Erkenntnis erläuternd, führt sie vor, wie Männer, die sich willenlos manipulieren lassen, gedemütigt, ja entmündigt werden. Nur, ihrem ersten eigenen, abendfüllenden Ballett »Circe und Odysseus«, in dem sie den Odysseus-Mythos modern variiert und für das Gerald Humel expressive Musik komponierte, fehlt Leidenschaftlichkeit. Didaktisches lenkt die gleichnishafte Szenenfolge.
Von ihrer Lehrerin Palucca angehalten, aufgeschlossen für Gegenwärtiges zu sein, vom Ausdruckstanz inspiriert, getanzte Sinnbilder zu schaffen, von ihrem Meister Tom Schilling angeregt, Tanzhandlungen szenisch-dramatisch zu gestalten, hebt sie mit ihrem Stück warnend die Hand und zeigt, was einem jeden passieren kann, wenn er die Kontrolle über sich aufgibt.
Odysseus gerät mit seinen Mannen in den Einflußbereich der machtbesessenen Circe und ihres devoten, agilen Managers La Croix. Der bringt mit Hilfe von puppenhaften Nymphen die Soldaten in die Gewalt seiner Herrin, nur Odysseus widersteht. Von Circe im Innersten fasziniert, entfacht auch er in ihr liebevolles Begehren. Doch gerade das hält ihn bei Verstand, so daß er seine Leute wieder entzaubern und mit ihnen weiterziehen kann. War das, was in ihm drinsteckt, das »Entscheidende«?
Die Bühne Hans Dieter Schaals gleicht einem antik-ruinösen Tempelfeld, in das sich ein moderner Luxusliner geschoben...
















