Über zwei Neu-Erschaffungen. »Die Erschaffung der Welt« in Halle und in Plauen
Aus TdZ 3/1982
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Andrej Petrows Ballett »Die Erschaffung der Welt«, 1971 in Leningrad uraufgeführt und auch in der DDR mehrfach inszeniert, steht in zwei unserer Theater auf dem Programm.
Der Inszenierung in Halle liegt eine eigene Fassung des Landestheaters zugrunde: Vertreibung, Verfolgung und Naturkatastrophen fehlen, die Figur der Schlange wurde zusätzlich eingeführt, das dreiaktige Stück zu zwei Teilen zusammengezogen. Helmut Neumann (Choreographie und Inszenierung) versucht, die Leichtigkeit und den heiter ironischen Ton der berühmten, auszugsweise im Programmheft abgebildeten Zeichenserie von Jean Effel verlustarm in Tanz zu transponieren. Unterstützt wird dieses Anliegen durch die den Zeichnungen nachgestalteten Kostüme – gottlob ohne Flügel für die Engel.
Das Spiel beginnt damit, daß Gott und seine Engel, über der Bühne thronend, herabgelassen werden und der Schöpfer das urweltliche Chaos beseitigt, indem er erdbraun verhüllte langhaarige Gestalten fortschiebt und das widersetzliche Teufelspaar in eine Bodenluke kommandiert. Es folgen Gruppentänze, die sich choreographisch nicht immer zu Bildern formen, Streitigkeiten mit dem Teufelspaar und Nörgeleien der gelangweilten Engel untereinander, die beinahe die gottgewollten Tierpaare fehlerhaft kreieren. Die Schlange, dramaturgisch nicht immer sinnfällig, entsteht auf Eigeninitiative der beiden Jüngsten als persönlicher Schöpfungsbeitrag und wird zum willfährigen Werkzeug der Teufel. Aus einem von Gott gekneteten erdbraunen Bündel ragen die Beine und schließlich...
















