Liebes-Spiele im Schloß. Städtische Bühnen Erfurt/Schloßtheater Gotha: »Liebe in aller Gestalt«
Aus TdZ 9/1988
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Restaurierte Schloßtheater für Ballettvorstellungen zu nutzen ist eine gute Mode. Ihr schloß sich das 12-köpfige Erfurter Ensemble an: mit einem Kammertanzabend im Ekhof-Theater des Gothaer Schlosses Friedenstein. Etwa 200 Besucher faßt es, und die verließen nach knapp eineinhalb Stunden angetan den historischen Spielort. Um Liebe ging es im Programm – worum sonst in einer derart anregenden Umgebung. Wort, Musik und Tanz in ausgewogener Mischung wurden dazu aufgeboten. Jürgen Wald, eigentlich Sänger, bildete mit lockeren, ironisch getönten Einführungs- und Überleitungstexten die sprachliche Klammer. Gemeinsam mit der Schauspielerin Ursula Birr rezitierte er Gedichte, die den jeweiligen Tanzbeitrag vorbereiteten – schmerzliche, verliebte, frivol-pikante, mit Geschmack und Sachkenntnis ausgewählt, in stetem Partnerkontakt vorgetragen. Bostroem, Heine, Khutschák, Jewtuschenko hießen die Autoren. Ruhepunkte schafften Sätze aus Streichquartetten von Beethoven und Schumann, die das Börner-Quartett ebenso filigran musizierte, wie es den Tanz begleitete.
Als tänzerischer Rahmen fungierten zwei heiter-deftige Choreographien Sigrid Trittmacher-Kochs, die ihren Sinn für Komödiantik nicht zum erstenmal bewies. Amor ballert seine Pfeile wild in die Gegend. Zwischen einem biedermeierlichen Paar des Volkes und seinem herrschaftlichen Gegenstück kommt es dadurch zu Paartausch-Verwicklungen, daß der Liebesgott erschreckt eingreifen muß. Im Finalbeitrag werden der liebe Gott nebst seiner Starschöpfung und ein Punkerpaar konfrontiert; die...















