Neustrelitz: »Bernarda Albas Haus«
Aus TdZ 4/1979
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Assoziationen: Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz
Erfreuliche Ballett-Inszenierungen in kleinen Theatern sind nicht die Regel. Diese war eine, weil ein zahlenmäßig sehr begrenztes Ensemble (8 Damen, 1 Herr), das wohl kleinste eines Bezirkstheaters, seine Möglichkeiten personell wie künstlerisch zu nutzen verstand. Die Ballettadaption des gleichnamigen Schauspiels von Lorca setzt ganz auf innere Dramatik: die permanent fühlbare Spannung zwischen Mutter und Töchtern sowie die Rivalität unter den Töchtern. Durch einen dramaturgischen Kunstgriff beginnt das Stück mit der Schlußszene als Prolog. Dadurch wird ein Teil der Spannung bewußt abgebaut und die Frage nach dem Warum gestellt. Zwischen diesem Schluß-Anfang und dem eigentlichen Schluß läßt Choreograph Fritz Dallmann sparsam, aber gestisch deutlich agieren und fängt damit das Bedrückende des Hauses Alba in knapper Form ein. Verkrampfte, verzerrte Posen und bizarre Formen bei den Töchtern symbolisieren deren unglückliche Situation. Als Gegensatz dazu die unwirkliche Aufrechtheit der Mutter.
Die Choreographie lebt weniger von Soli und artistischen Bravouren als von Konstellationen, Hierarchien. Sie will Beziehungen sichtbar machen zwischen Menschen, die dazu verdammt sind, miteinander zu leben, still, aber unbarmherzig gelenkt von einem tyrannischen Einzelwillen. Eindrucksvoll, wie im zweiten Bild, bewirkt durch das Rundumflirten Pepes, ein Angstreigen aller Töchter in einen Haßreigen mit Affront gegen die vermeintlich begünstigte Älteste übergeht. Eindrucksvoll auch kleine...















