Zwei ungleiche Töchter
Aus TdZ 10/1981
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
»Die schlecht behütete Tochter« in Dessau und Karl-Marx-Stadt
Harald Dietz-Laursonn bot – als seine erste Arbeit in Dessau – eine choreographisch und tänzerisch ebenso anspruchslose wie undelikate Version. Um die »Fronten« zu klären, läßt er gleich zu Beginn des Stückes Lisa und Colin einen nächtlichen Balkon-Pas-de-deux tanzen. Im ersten Bild, in dem Lisa vor zwei Hängern (Kuh von vorn, Kuh von hinten) milkt, Mutter Simone auf einer Eisensäge hämisch ein Ständchen imitiert, dann aufs Örtchen muß, besonders gelungen das Wäscheaufhängen der Mägde. Der Auftritt des Weinbergbesitzers Thomas und seines Sohnes Alain geriet choreographisch arg blaß. Lisa und Alain werden einander kaum vorgestellt, und daß der merkwürdige junge Mann mit Schmetterlingsnetz und Brille nach dem Willen der Eltern bald ihr Bräutigam sein soll, ängstigt Lisa erstaunlich wenig. Kurzerhand beginnen sie und Colin ein rüdes Treiben mit dem arglosen Alain. Stationen im Leidensweg des verspielten Jungen, der in dieser unkessen, an Gags armen Inszenierung offensichtlich auszog, das Fürchten zu lernen: Lisa stülpt ihm grob sein Netz über den Kopf; Colin stößt ihn in einen Brunnen; im zweiten Bild wird ihm gar ein Sack übergestülpt. Die ungenaue Anlage der Figur irgendwo zwischen schüchtern und einfältig rechtfertig nicht eine geradezu bösartige Behandlung.
Das Erntebild...
















