Bernd Köllinger: »Tanztheater«
Aus TdZ 5/1984
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die sieben Studien Köllingers aus den Jahren 1975–1981 fügen sich zu einer umfassenden Darstellung des Begriffs »Tanztheater«. Dieser auch international immer öfter – und mißverständlicher – gebrauchte, selten definierte Begriff steht hier streitbar zur Diskussion. In seinen Texten legt Köllinger unter zahlreichen Aspekten dar, was aus seiner Sicht Tanztheater bedeutet, verlangt, bewirkt. Daß er in seinen polemischen Ausführungen mit Beispielen belegte Vorschläge anbieten kann, verdankt er seiner jahrelangen Zusammenarbeit mit Tom Schilling, der Felsensteins Methode des realistischen Musiktheaters in der Kunstgattung Ballett anwendet.
Die Studie »Getanztes Leben – erlebter Tanz« leitet als Grundsatzartikel ein. Anhand von acht »Bausteinen« umreißt Köllinger seine Theorie des Tanztheaters. Die sechs weiteren Studien, gewidmet dem Schaffen Schillings, dem Begriff des »Zeitgenössischen«, künstlerischen Schaffensfragen unter neuen gesellschaftlichen Bedingungen, dem Begriff Kammertanz, der »Schwanensee«-Version der Komischen Oper und dem »Romantischen« (anhand des Balletts »Ein neuer Sommernachtstraum«) erhärten und veranschaulichen Köllingers Meinung. Zwar geht er in der vierten Studie auch auf Fragen der Beziehung Musik — Choreographie ein, doch wäre dieses Thema einer weiteren, detaillierten Studie wert, bildet die Musik doch einen wesentlichen Teil auch eines Tanztheater-Werks.
Köllingers Ausführungen besitzen Überzeugungskraft. Nicht nur wegen wissenschaftlich-theoretischer Formulierungen, die einem Lehrbuch glänzend anstünden, sondern weil er gründlich und...















