Staatsoper Berlin: Choreographenwerkstatt
Aus TdZ 4/1980
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die Werkstatt war zwei profilierten Choreographen, Gewinner
1. Choreographen-Preise unserer nationalen Ballett-Wettbewerbe, vorbehalten: Hermann Rudolph und Dietmar Seyffert. Sie stellten sieben neue Kurzballette vor.
Einleitend »Die Tänzerin« von Hermann Rudolph (Musik: Variationen über ein Thema von Frank Bridge op. 10 für Streichorchester von Benjamin Britten). Sie gibt Einblick in das Seelenleben einer von der Bühne abgetretenen Künstlerin. Rudolph führte das in Episodenform vor. Die Tänzerin erlebt in einer träumerischen Erinnerung Höhepunkte ihrer Karriere. Zum Schluß schreitet sie seelisch erleichtert über den Ort früherer Triumphe und wird von Eleven voller Achtung gegrüßt. Helga Schiele tanzte fein nuancierend die Ballerina, Roland Gawlik kraftvoll den zwischen Verstehen und »Verwalten« pendelnden Intendanten.
Für Monika Lubitz und Bernd Dreyer choreographierte Rudolph zu Strawinskys »Feuerwerk« op. 4 ein tänzerisches Kabinettstück, das er »Das Duell« nannte, ein kurzes, technisch bravouröses Presto-Duett.
Zwei weitere Choreographien Rudolphs sind »Nachtstücke«. In seiner »Dunklen Serenade« choreographierte er das orchestrale Schluß-Adagio mit dem Klagegesang der Geschwitz aus Alban Bergs »Lulu«. In dieser tänzerischen Version wird ein exaltiertes Mädchen von einem zunächst freundlichen Liebhaber gewürgt, vermag jedoch, nach dessen Abgang, sich wieder zu erheben. Sie findet zurück in ihre Ausgangspose: in sich gekrümmt, verharrt sie hockend am Boden. Steffi Scherzer und Josef-Hanuš Sklenář...















