Stillstand des Willens. Deutsches Nationaltheater Weimar: »Hamlet I, II, III«
Aus TdZ 7/1996
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Starr und mit schrägem Oberkörper sitzt Hamlet wie gefroren auf dem Boden. In ziemlichem Abstand steht verwaist sein Thronsessel, einziges Dekorationsteil dieses Abends. Als die Bühne sich dreht, scheinen der verlorene Prinz und das Machtgestühl in unüberwindlicher Distanz umeinander zu wirbeln. Um die Niederlage des dänischen Denkers und Zauderers vollends zu machen, marschiert auf dem rotierenden Podium um den erkaltenden Hamletkörper der Kreis der Sieger – in gleicher Person Soldaten und Raben, deren Hände selbstzerstörerisch nach innen gekehrte Schnäbel formen. Sogar der Narr, des Prinzen Freund, durch dessen Schuld an Ophelias Tod abtrünnig geworden, hat sich in den Triumphzug eingereiht.
Mit dieser Metapher eines kosmischen Taumels entläßt Joachim Schlömer das Publikum aus seiner letzten Inszenierung in Weimar. Ihr Titel bezieht sich auf die Begleitmusik, Galina Ustwolskajas Kompositionen 1, 2 und 3 in Kammerbesetzung, indes nicht von Kammerklang. Um machtvolle, dann fast am Platz verharrende, widerspenstige musikalische Schraffuren, entstanden zwischen 1971 und 1975, handelt es sich bei diesen düster-gewaltigen Klangballungen. Zweimal bricht der Schlagersingsang vom »Lollipop« in das Geschehen ein, weist auf die Banalität aller Lebenssituationen hin. Wie die Visualisierung von Tatenlosigkeit mutet Schlömers tänzerische Umsetzung des Hamlet-Stoffs an. Er liefert spröde, fast stagnierende Bildphantasien und assoziative Kommentare zu einer...















