Äußerst musikfühlig. »Stunde des Tanzes« mit Arila Siegert
Aus N-Z, 13.12.1985
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die große Zeit des deutschen Ausdruckstanzes, Laban, Wigman, Kreutzberg, Palucca, Jooss, Leeder, Dore Hoyer, ist Tanzgeschichte. Lange blieb es still um ihn; die Überlebenden schwiegen, Schüler gab es kaum. Erst als der modern dance, der auch vom Ausdruckstanz starke Anregungen empfing, von Amerika aus nach Europa kam, besann man sich der eigenen Tradition, begann sie zu studieren und aufzuarbeiten, ohne daß daraus jedoch eine breitere Bewegung geworden wäre. Nach wie vor ist diese intensive Beschäftigung an einzelne Namen geknüpft, an den Dresdens als Stadt, an den der Palucca als Nestorin. Und an Arila Siegert, die seit Jahren zu den engagiertesten Innovatoren des »Neuen Künstlerischen Tanzes« zählt. Ihre Stationen: 7 Jahre Schülerin der Palucca, 8 Jahre Tänzerin an der Komischen Oper, seit 1979 Solistin an der Dresdner Staatsoper; verschiedene Auslandstourneen, mannigfache Auszeichnungen als Tänzerin und Choreographin. Im Rahmen der »Stunde des Tanzes« stellte sie ihren Mitte 1985 entstandenen fünfteiligen Solotanzabend »Gesichte« vor. Ein wichtiger, hoffentlich fortwirkender Abend.
»Fünf Präludien« aus Bachs »Wohltemperiertem Klavier«: Choreographiert hatte sie die früh verstorbene Marianne Vogelsang. Arila Siegert im schlichten dunkeltönigen, wadenlangen Kleid allein auf der schwarz ausgeschlagenen Bühne, im Duett mit dem Raum als Partner. Dem Charakter und der Grundstimmung der Musik folgend...
















