Essay
TdZ+ ProVom Straßentheater und Straßenzirkus zu den darstellenden Künsten im öffentlichen Raum
Eine Lebensalter-Analogie
von Nicole Ruppert
Erschienen in: Theater überall! – 20 Jahre Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum (11/2026)
Verglichen mit den Lebensphasen eines Menschen, befinden sich die darstellenden Künste im öffentlichen Raum in der Lebensmitte. Kindheit, Jugend, Professionalisierung und Institutionalisierung wurden gemeistert, folgen nun Midlife-Crisis oder größere Veränderungen?
In der vierzigjährigen Entstehungsgeschichte haben sich professionelle Strukturen, Netzwerke, ein Markt an Festivals sowie eine Vielzahl an professionell arbeitenden Künstler:innen und Ensembles gebildet. Der folgende Text wirft einen Blick auf die Geschichte, skizziert den Status quo und die aktuellen Herausforderungen.
Kindheit und Jugend
Der Begriff Straßentheater wurde in Deutschland hauptsächlich im Zuge der 1968er-Bewegung geprägt. Künstlerische Impulse lassen sich aus der durch Spontaneität und Improvisation gekennzeichneten Festival-of-Fools-Bewegung in Amsterdam und den Niederlanden der 1970er Jahre herleiten. Das Theater als politische Aktion hatte aber bereits seine Bedeutung verloren, als es in Deutschland (West) in den 1980er Jahren regelrecht zu einem Kulturboom einer sich herausbildenden Erlebnis- und Freizeitgesellschaft kam. Zahlreiche Festivals und Events entstanden Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre. Kultur wurde für die Kommunen zu einem bedeutenden Imageträger und insbesondere die Sommermonate, also die Zeit, in der die kommunalen Theater ihre Tore geschlossen hatten, wurden als Festivalzeitraum entdeckt. Damit einher ging der Wunsch, die Innenstädte und Fußgängerzonen zu beleben und die Kultur dorthin zu bringen, wo sich die...















