Theater der Zeit

Praxiswissen

  • „ZWEI“, Südtirol/Head-Mounted Display Recording

    Gespräch

    TdZ+ Pro
    Fotostrecke

    Ins Offene der Möglichkeiten

    Beat Brogle über die Entwicklung zu einer autonom digitalen Kunst im Gespräch

    Beat Brogle beschreibt sein Medienkunstprojekt ZWEI: Zwei autonome, algorithmische Figuren agieren ohne Choreografie im Raum. Er verknüpft ihr Reiz-Reaktions-Verhalten mit Leibniz’ Monadologie, Deleuze und Becketts Quadrat, grenzt es aber von klassischer KI ab.

    Was passiert, wenn ich auf diesen einen anderen treffe, immer wieder, unter den immer gleichen Bedingungen? Das ist eine sehr reduzierte, fast asketische Form von Intelligenz. Die Bubbles haben nichts außer sich selbst und den anderen.

    Beat Brogle

    von Thomas Irmer und Beat Brogle

    Foto: Beat Brogle

Produkte

Praxiswissen

TdZ+ Pro

Performative Räume

Der Bühnenraum ist im zeitgenössischen Theater nicht länger nur Hintergrund oder Bild der Handlung, sondern ein Raum der performativen Erzeugung von Wirklichkeit. Die hier versammelten Positionen vollziehen den Paradigmenwechsel vom …

  • Editorial

    Die Entgrenzung des Szenischen

    Die stärksten Räume zeitgenössischer Szenografie entstehen dort, wo Grenzen überschritten oder ignoriert werden. Wenn Architektur zur Choreografie wird, wenn Politik sich in Material übersetzt, wenn Technologie neue Körper hervorbringt, dann …

    von Thomas Irmer und Ute Müller-Tischler

  • Auf dem Foto sieht man eine Menschenansammlung an der großen schweizweiten Behinderten-Demonstration in Bern am 20. Juni 1981. Ein Mann im Hintergrund hält ein Transparent auf dem Schoß. Im Vordergrund des Fotos ist Ursula Eggli. Sie benutzt einen Rollstuhl und hat ein feministisches Symbol auf die Wange gemalt. Neben ihr sitzt die Behindertenaktivistin und Künstlerin Cornelia Nater. Das Foto wurde von der Fotografin und Aktivistin Helga Leibundgut gemacht. Sie war eine Bekannte von Ursula Eggli und Mitglied der Frauenbefreiungsbewegung FBB. (Schweizerisches Sozialarchiv, F 5110-Fc-102)
    Open Access

    Historische Perspektiven auf politisch-künstlerische Praktiken der Disability Culture entlang Ursula Egglis Arbeiten

    Celestina Widmer zeichnet anhand der Schweizer Schriftstellerin und Behindertenaktivistin Ursula Eggli (1944–2008) die historische Verwobenheit von künstlerischer Praxis und Aktivismus in der Disability Culture nach. Eggli setzte sich seit den 1970er Jahren für Rechte behinderter und queerer Menschen ein, gründete Vereine und schrieb Bücher, die Ausgrenzung und Gewalt thematisierten, zugleich aber utopische Gegenentwürfe wie das „Freakland“ entwarfen. Widmer verortet Egglis Werk im Kontext transnationaler Bewegungen und plädiert dafür, diese Geschichte des Kampfes nicht zu vergessen.

    Geschichten können doch nie zu Ende sein. Geschichten gehen unendlich weiter, wachsen und wuchern, treiben Blüten und Früchte oder auch Dornen und sie haben ihre Wurzeln in der unermesslichen Fülle der Zeit. Vielleicht dorren sie mal stückweise ab, aber bestimmt entstehen sie neu aus einem unbeachteten Samenkorn und bekommen dann ein wundersames Eigenleben.

    Ursula Eggli

    von Celestina Widmer

    Foto: Helga Leibundgut, Schweizerisches Sozialarchiv, F 5110 Fc 102

  • Konzept/concept „Hyperstage“ – verwandelt reale Räume in neue digitale Bühnen/transforms real spaces into new digital stages

    Essay

    TdZ+ Pro

    Hacken für das Theater

    Die CyberRäuber kreieren Hyperbühnen, in denen sich virtuelle und erweiterte Realität sowie künstliche Intelligenz mit konventionellem Theater verbinden

    von Tom Mustroph

    Foto: CyberRäuber

  • Open Access

    Kuratieren als kritische Praxis

    Yvonne Schmidt und Celestina Widmer untersuchen Kuratieren als kritische Praxis anhand von Theaterfestivals während der Covid-19-Pandemie. Ausgehend von der Institutionskritik zeigen sie, wie Kurator*innen durch den pandemiebedingten Stillstand gezwungen waren, Machtstrukturen, Entscheidungsprozesse und Arbeitsbedingungen zu hinterfragen. Anhand von sieben Schweizer und drei internationalen Festivals/Theaterhäusern, basierend auf qualitativen Interviews, analysieren die Autorinnen neue kuratorische Strategien wie geteilte Entscheidungsmacht, Residenzformate und sorgsamere Zusammenarbeit als Versuche institutioneller Transformation.

    Kulturinstitutionen wirken einerseits als gegenhegemoniale Instanzen, die künstlerische, politische, soziale und wirtschaftliche Ordnungen und Vorstellungen hinterfragen und umdenken. Andererseits funktionieren sie selbst nicht losgelöst von diesen Logiken.

    Yvonne Schmidt, Celestina Widmer

    von Yvonne Schmidt und Celestina Widmer

  • Die Fotografie zeigt Irene Giró und Fia Neises. Die zwei Performer*innen von WITH OR WITHOUT YOU. Beide sind weiß und behindert. Beide werden weiblich und nicht-behindert gelesen. Irene hat braune, dichte, lange Locken und ist feingliedrig. Fia hat dunkelblondes, glattes, ohrlanges Haar. Ihr Körper ist größer und weicher als der von Irene. Die Fotografie zeigt beide im weißen „Silk“. Ein 14 Meter langes Tuch, das in der Mitte an der Decke aufgehängt wird. Die beiden Enden hängen schwer bis zum Boden und die Protagonist*innen wickeln, klettern, schwingen, hängen und halten sich darin. Fia ist blind und hat Irene gefragt, was sie auf dem Bild tun. Dann haben sie sich erinnert: Irene: Wunderschön. Alles wirkt ein wenig wie eine Hochzeitseinladung. Viel weißer fließender Stoff und Sinnlichkeit. Xenia hat zwei Bilder schemenhaft übereinandergelegt.  Fia: Welche? Irene: In dem Moment auf dem hinteren Bild sind wir beide auf der weichen Matte, eng zusammen und beide im Kontakt mit dem Silk.  Fia: Ich erinnere mich. Der Moment war ruhig. aber sehr schön. Ich habe mit meiner Hand versucht nachzuvollziehen, wie deine Hand oben das Silk anfasst. Dein Arm reichte nach oben und dein Gesicht war sehr zuhörend und spürend Richtung Boden geneigt. Du hattest es auf meinem aufgestellten Bein abgelegt.  Irene: Ich sehe deine Hand an der Wurzel von meinem Arm. Außerdem die Krone von deinem Kopf mit den hellblonden Strähnen, die fast meinen Rücken berührt. Mein Kopf verschwindet hinter dem linken Silk. Das andere Silk ist rechts daneben. Es ist genauso gespannt wie das linke Silk, weil es von deiner Hand nach unten gezogen wird. Darüber liegt das Bild von uns beiden im Kokon.  Fia: Wenn wir uns ganz im Silk verstecken. Beide Körper in einer Kugel. Gehalten von einem stabilen Knoten unter unserem Kokon.  Irene: Das Bild zeigt nur unsere Hände, die sich in einer Berührung vorsichtig aus einem Spalt im Kokon wagen. Der Kokon mit unseren Händen liegt blass, wie eine Erinnerung, über unseren beiden rastenden und tastenden Körpern.
    Open AccessAudioVideo

    Behindert künstlerisch leiten

    Acht Monate nach der Premiere von WITH OR WITHOUT YOU reflektiert Sophia Neises (Fia) über ihre künstlerische Leitungsarbeit. Sie fragt sich, ob sie und ihr Team eine Utopie ohne die Gegensätzlichkeit von behindert/nicht-behindert schaffen konnten. Fia beschreibt ihren Werdegang als behindertes Kind, ihr Theaterpädagogikstudium und ihre Dreifachrolle als Performerin, Ableismus-Beraterin und Access-Dramaturgin. Sie thematisiert erlebten Ableismus in Institutionen und die eigene Auseinandersetzung mit der Frage, ob und seit wann sie sich als Künstlerin bezeichnet.

    Ich habe die drei Berufsfelder Performerin, Dramaturgin und Beraterin für Ableismus – in allen inhärent Aktivistin – für mich festgelegt und erstmals klar benannt. Selbstverständlich sind die Abgrenzungen zwischen den Berufsbezeichnungen nicht immer trennscharf, aber es hilft Arbeitgeber*innen gegenüber, realistischere Erwartungen an mich zu stellen.

    Sophia Neises

    von Sophia Neises

    Foto: Xenia Dürr

  • Schauspieler Sebastian Nakajew

    Nachruf

    TdZ+

    Keine halben Sachen

    Eine Rede für und an den Schauspieler Sebastian Nakajew (1976–2026)

    von Volker Lösch

    Tief erschüttert und trostlos traurig musste sich das deutsche Theater soeben von Sebastian Nakajew verabschieden. Der Schauspieler aus Eisenhüttenstadt hatte sich am 21. Mai, etwas mehr als drei Monate nach …

    Foto: Moritz Küstner

  • Ensemble 1987, (Antje Schrader, Johann Burger, Tanja Hemm, Jürgen Decke, Christine Janner, Martin Ellrodt, Ernst Schießl, Regine Oßwald, Christian Schidlowsky), Foto: theater pfütze (Archiv)
    TdZ+ Pro

    Allem Anfang wohnt Zauber inne

    Zu den spielerischen Anfängen des theater pfütze in Nürnberg Meine erste Begegnung mit einer Produktion des theater pfütze war 1991. Auf einem dunklen Dachboden – ich weiß nicht mehr, wo …

    von Manfred Jahnke

    Foto: theater pfütze (Archiv)

  • Wolfgang Michalek und Kilian Land in „Fight Club“ — von Chuck Palahniuk — Regie: Roger Vontobel. Düsseldorfer Schauspielhaus, 2019
    TdZ+ Pro

    Neue Pfade

    Das Theater ist ein Kreis. Über das Kommen, das Gehen und das Bleiben im Theater

    von Roger Vontobel

    Das Anfangen Anfangen ist für mich ein sehr ambivalenter Begriff. Zum einen aufregend, spannend, neue Begegnungen am ersten Probentag, das Vorstellen der ersten, grundlegenden Gedanken zum gemeinsamen Projekt und – …

    Foto: Thomas Rabsch

  • B. K. Tragelehn (rechts) mit Bertolt Brecht und dem Bühnenbildner Dieter Berge, Herbst 1955, auf einer Probe zu „Der Tag des großen Gelehrten Wu“ im Berliner Ensemble. Akademie der Künste, Berlin, Bertolt-Brecht-Archiv, Fotoarchiv 13/010.07
    TdZ+ Pro

    Brecht und die Folgen

    Zum 100. Geburtstag Brechts 1998 wurden die Ringvorlesungen an der Berliner Humboldt-Universität eröffnet mit einer Lesung von T. und Volker Braun. Braun bettete seine Gedichte in einen Essay, T. las …

    von B. K. Tragelehn

    Foto: Gerda Goedhart

  • B. K. Tragelehn in Düsseldorf.
    TdZ+ Pro

    Fehlanzeige

    B. K. Tragelehn veröffentlichte 2009 im Dezember-Heft von ­Theater der Zeit diesen am 9. November desselben Jahres ­geschriebenen Text. Ich muss es nicht erklären, aber klären für mich, warum ich …

    von B. K. Tragelehn

    Foto: Lore Bermbach

  • Yvonne Georgi (1903–75) war eine deutsche moderne Tänzerin, Balletttänzerin und  Choreografin

    Akteure

    TdZ+

    Bravo, Gera!

    Ein internationales Ballettfestival feiert Yvonne Georgi bei „100 Jahre tänzerischer Aufbruch in Gera“

    von Ralf Stabel

    Foto: Picture-alliance/ dpa | Theatermuseum Hannover

  • Alle Regieteams, Jurys und Organisator:innen der ersten Woche der jungen Regie am Staatstheater in Meiningen.

    Bericht

    Brennende Herzen

    Zur Woche der jungen Regie in Meiningen zeigt der Regienachwuchs konzentrierte Versuchsanordnungen, die den Blick auf gebrochene Biografien, beschädigte Erinnerung und prekäre Zukünfte richten.

    von Lina Wölfel

    Dass zumindest die Schauspielsparte des Meininger Staatstheaters ein Händchen für Nachwuchsförderung hat, sollte schon beim Blick auf das Schauspielensemble, spätestens nach der kürzlichen Premiere von „Fabian oder Der Gang vor …

    Foto: Luna Zscharnt

  • Diskurs

    TdZ+

    Was macht die Regie? Verzweifeln?

    Überall wird von Kulturkürzungen und einem democratic backlash gesprochen. Gleichzeitig etablieren sich neue Leitungsformen an den Institutionen selbst. In welche Kulturlandschaft werden Berufsanfänger:innen nach dem Studium geworfen? Den Auftakt macht Regisseur Basil Zecchinel.

    von Basil Zecchinel

    In dieser harmlos, fast freundlich klingenden Frage steckt ein fundamentaler Zweifel: Kann der Beruf unter den aktuellen Bedingungen überleben? Oder sind an Stadt- und Staatstheatern arbeitende Regisseur:innen Auslaufmodelle, wie diese …

    Foto: Lea Hopp

  • „Charlotte Salomon“ von Marc-André Dalbavies. Regie Mizgin Bilmen am Theater Bielefeld, 2017

    Akteure

    TdZ+

    Mut zur Wut

    Die kurdisch-deutsche Regisseurin Mizgin Bilmen mischt sich leidenschaftlich in Debatten ein, weil sie das Theater ernst nimmt

    von Stefan Keim

    Foto: Bettina Stöß

  • Kolumne

    TdZ+

    Dramaturgische Fürsorge

    Hier schreiben unsere Kolumnist:innen im monatli­chen Wechsel: die Schriftstellerin und Übersetzerin Terézia Mora, die Dramaturgin Anna Bertram und ein Team vom Theaterhaus Jena.

    Foto: Elia Quadri

  • TdZ+ Pro

    Regie

    Dieses Musiktheaterprojekt war etwas ganz Besonderes: Nicht nur, da wir ein Stück aus dem Ort und seiner Geschichte heraus geschaffen haben, ein Stück, das es vorher noch nicht gab. Nein, …

    von Max Koch

    Foto: Tamara Yasmin Quick

  • Vorbereitungen für eine Aufführung von „Germania Tod in Berlin“ von Torsten Spohn, Schauspiel-Absolvent 1989. Foto Hyesoo Chung

    Bericht

    TdZ+

    Schule und Praxis der Regie

    Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch feiert 50 Jahre Schauspielregie und zeigt eine Ausstellung zur Geschichte ihrer Studiobühne bat

    von Thomas Irmer

    Foto: Hyesoo Chung

  • Die deutsche Schauspielerin Marie Zielcke

    Akteure

    TdZ+

    Ein Gesellenstück

    Marie Zielcke hielt sich jahrzehntelang von Bühnen fern, auch ihres legendären Vaters wegen – bis der „Jedermann“ kam

    von Michael Helbing

    Es ist ihre Idee gewesen, ihr Wunsch. Und weil sie es so naheliegend findet, wundert sie sich bis heute, dass zuvor noch niemand darauf kam: den Guten Gesellen des Jedermann …

    Foto: Robin Wulff

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