Essay
TdZ+ ProWenn das Gesicht der Stadt sich verändert
Theater im öffentlichen Raum und die Poetisierung des Stadtraums
von Marianne Cornil
Erschienen in: Theater überall! – 20 Jahre Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum (11/2026)

Die Straßen verwandeln sich
Eine schwarze Kiste gleitet entlang der Straßen, über den Marktplatz. Sie sucht ihren Weg durch die Menge. Es sind mehrere Hundert Menschen, die sich an diesem lauwarmen Abend für das Theaterfestival versammelt haben.
Da, wo ein paar Stunden zuvor Marktstände standen, entrückt langsam der Raum in der Vorstellung der Besucher:innen: Die freie Fläche wird zum Meer, von der offenen See lauern Gefahren.
Gestalten arbeiten sich aus der Kiste hoch, schaufeln reihenweise Eimer aus ihr heraus. Das Boot hat Risse. Sie rufen nach Hilfe in die Ferne. Sie haben Gesichter ohne Mund und ohne Nase.
Kaum Luft zum Atmen. Aber ihre Augen drängen sich in die Herzen der Zuschauer:innen.
Für einen Moment sind wir, die flüchtige Gemeinschaft der Zuschauenden und Spielenden, weit weg von dem Marktplatz.
Die Migrant:innen, die in der Ferne im Mittelmeer untergehen, sind mitten in der Stadt. Wir treffen uns im Paradies von TheatreFragile erzählt die Geschichte dieser Menschen. In dieser Erscheinung hat sich der Raum verändert.
Alles wird zur Projektionsfläche: die umliegenden Mauern, die sich zu anderen Horizonten verwandeln, die scheinbar unbeweglichen Masken, von Emotionen durchzogen. Theater im öffentlichen Raum schafft dieses Wunder, der Stadt ein anderes Gesicht zu geben.
Die Besucher:innen sehen...















