Vorabdruck
TdZ+Mit dem Schriftbild ins Gespräch kommen
Erschienen in: Theater der Zeit 10/2026: Neues Musiktheater – Krise, Kanonkritik und Zukunft (09/2026)
[…] Wir Theaterautor:innen nehmen hauptsächlich durch schriftliche Texte am Theaterbetrieb teil. Wie diese tatsächlich auf der Bühne zur Sprache kommen, zeigt sich im Probenprozess und liegt – wenn wir nicht selbst als Regisseur:innen tätig sind oder auf der Bühne stehen – außerhalb unseres Einflussbereichs. Uns Theaterautor:innen bleibt also die schriftliche Vorlage. Eine Vorlage, die die sprachliche Gestaltung immer schon mitdenkt – da unsere Werke für die Bühne, unsere Worte für aussprechende Körper geschrieben sind. Dass in Textvorlagen generell Leiblichkeit bzw. eine gewisse Sprechhaltung angelegt ist, beschreibt Helmut Becker im Beitrag in diesem Band.1 Für Theatertexte gilt das in besonderem Maße, denn obwohl diese einerseits als eigenständige künstlerische Werke gelesen werden können, die bereits vollständig sind, ehe sie zur Aufführung gelangen,2 so werden sie doch in gesprochener Form realisiert und vor allem vom Publikum rezipiert.
Dass Theaterautor:innen hierbei Teil des Prozesses sind, dass sie darauf Einfluss nehmen wollen, wie ihre Texte gesprochen werden, ist nichts Neues. Theaterautor:innen äußern sich regelmäßig zur gewünschten Sprechweise ihrer Texte, und das in unterschiedlichsten Formen: Zum Beispiel erteilt Elfriede Jelinek in ihrem ikonisch gewordenen Vorwort zu „Ein Sportstück“ („Machen Sie was Sie wollen“3) der Regie scheinbar einen Freifahrtschein, andererseits formuliert sie in...















