Bericht
TdZ+Belle Époque in Aspik
Im Grandhotel Waldhaus in Sils verbindet das Kulturfestival „zeit:fluss“ Kammermusik, bildende Kunst und Philosophie mit der Aura einer exklusiver Nostalgie.
von Anna Bertram
Assoziationen: Schweiz Dossier: Festivals
Erschienen am 30.9.2026

Der Geist eines vergangenen Jahrhunderts scheint hier wie konserviert. Zwischen Berghängen im Oberengadin, auf einem bewaldeten Felsen über dem Dorf Sils, dort steht es: das historische Grandhotel Waldhaus in seiner unberührten Grandezza. Ruhig und nostalgisch wartet das Eingangsfoyer auf seine Gäste. Das Fünf-Sterne-Hotel wird in fünfter Familiengeneration geführt; seit 1908 halten sich hier die großen Namen des Bildungsbürgertums auf. Thomas Mann, Carl Gustav Jung, Adorno. Marthaler. Gäste, die zur Kulturelite der Gegenwart gehören. Vielleicht auch ein paar Gäste, die sich dazu zählen möchten. Wer im Waldhaus residiert, hebt sich nicht primär über ökonomisches Kapital ab, vielmehr über eine Affinität zu Bildung und Kultur.
So fühlt es sich fast an, als liefe durch eine Marthaler-Inszenierung selbst, derart choreografiert scheinen Stimmung und Abläufe im Waldhaus angeordnet. Kammermusik wird nachmittags live in der Halle zum Kaffee gespielt, das Mobiliar scheint, als sei es gerade in der Gründerzeit produziert. Während im nahegelegenen St. Moritz zu internationalem Jet-Set-Glamour und High-Society-Nightlife eingeladen wird – Ende September findet dort etwa ein „Longevity-Forum“ statt – wird hier im Waldhaus europäische Kulturtradition fortgeführt. Die Pflege der alten Epoche gehört zum Selbstverständnis. Dort knüpft auch das Festival „zeit:fluss“ an und findet dieses Jahr in seiner zweiten Ausgabe statt.
Die Kulturwoche...
Erschienen am 30.9.2026
















