Wie kamen Sie von Ihrer Ausbildung zum Musiktheater?
Ich habe Cello in Essen studiert und nebenher in einer freien Theatergruppe gespielt. An der dortigen Oper gab es einen Dramaturgen, der gerne mit Laien arbeitete. Er bot einen Volkshochschulkurs an, in dem man gemeinsam Volkslieder für die Bühne interpretiert hat. Das Programm wechselte zwischen kitschigen Pseudo-Volksliedern, wie sie Hermann Löns schrieb, und echtem, anrührenden Volksliedgut. Wir spielten mit dem Moment von Ehrlichkeit und Ironie. Dieses Spiel zu erspüren, war für mich damals mit 19, 20 Jahren spannend. Mein wichtigster Beitrag in dem Liederprogramm war Der Mond ist aufgegangen, ganz pur gesungen, ohne irgendeine Begleitung oder große Gestik, es sollten nur die Bilder und Gedanken von Matthias Claudius transportiert werden. So ein schönes Gedicht mit einer natürlichen Stimme, so ehrlich und einfach wie möglich gesungen. Diese Art von Stimmführung habe ich eigentlich mein Leben lang versucht beizubehalten. Während des gesamten Cellostudiums habe ich in freien Theatergruppen gespielt.
Nach dem Cellostudium wurde ich direkt ans Theater engagiert. Immer hat mich die Musik begleitet, auch im Schauspiel. Nach zwei Jahren Kinder- und Jugendtheater in Heidelberg bin ich ins „große“ Haus gewechselt, wo ich auch beim Musical und in der Operette mitgewirkt habe. Zu...