Essay
TdZ+ ProÜber die Lust am Mitmachen
von Uwe Köhler
Erschienen in: Theater überall! – 20 Jahre Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum (11/2026)

Als vor zwanzig Jahren der Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum gegründet wurde, war der Gedanke der Partizipation von Beginn an tief in seiner inhaltlichen Arbeit verankert. Partizipation kann viele Formen annehmen. Hier geht es vor allem um einen besonderen Moment: den Augenblick, in dem Menschen, die sonst nicht auf der Bühne stehen, Lust bekommen, selbst ins Spiel zu kommen und zu Akteur:innen zu werden.
Das Theater im öffentlichen Raum hat immer davon gelebt, dass es sich nicht vollständig vom Alltag trennen lässt. Es begegnet Menschen dort, wo sie sind. Es kann sie überraschen, irritieren, provozieren – oder sie für einen Moment aus ihren gewohnten Bewegungen herauslösen. Anders als im Theaterhaus muss das Publikum nicht erst beschließen, ins Theater zu gehen. Die Kunst kommt ihm entgegen. Darin liegt eine wichtige Entwicklung der vergangenen Jahre: Durch Mitmach-Konzepte verwandelt sich ein zufälliges Publikum zunehmend in Beteiligte. Menschen, die zunächst am Rand einer Aufführung stehen, werden zu Mitspieler:innen. Bewohner:innen werden zu Protagonist:innen. Zuschauer:innen werden zu Expert:innen ihres eigenen Ortes. Das bedeutet eine besondere Vorbereitung der Inszenierung, denn das Publikum im öffentlichen Raum ist oft unmittelbar und zufällig da. Es kann stehen bleiben oder weitergehen, reagieren, widersprechen, sich einmischen oder einfach vorbeilaufen.















