Essay
TdZ+ ProIm Ozean aus Klang und Licht
Das Kraftwerk Berlin als besonderer Ort zeitgenössischer Kunst und Musik
Erschienen in: Arbeitsbuch 2026: Setting the Stage, Vol. 3 – Contemporary Spaces (07/2026)
Assoziationen: Kostüm und Bühne

Im Schatten der gewaltigen Betonstützen des Kraftwerks Berlin entfaltet sich ein Kosmos, der die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Industriegeschichte und Avantgarde, archaischer Monumentalität und künstlerischer Vision aufzuheben scheint. Das Kraftwerk – ehemals ein Heizkraftwerk im Ost-Berlin der sechziger Jahre, jetzt nahe der Eastside der Spree in der Köpenicker Straße zwischen Kreuzberg und Mitte gelegen – steht wie kaum ein anderer Ort in Berlin für die außerordentliche Wandlungsfähigkeit urbaner Räume. Es lockt heute Künstler:innen, Klangpioniere, Digitalpoet:innen und Kurator:innen aus aller Welt an. Seine fassungslose Weite, begleitet vom Nachhall maschineller Geschichte, ist dabei nicht bloßer Hintergrund, sondern wird zum eigentlichen Protagonisten einer neuen Dramaturgie zeitgenössischer Kunst.
Die Geschichte dieses Ortes liest sich exemplarisch für die Ideentransfers der Nachwendegeneration. Dimitri Hegemann, Club-Pionier, Raumaktivist und Brückenbauer zwischen Subkultur und Städtebau, erkannte in den späten nuller Jahren in der stillgelegten Industrieruine das schlafende Potenzial für einen einzigartigen Raum der Möglichkeiten. Der umtriebige Technovisionär und Tresor-Gründer bewies mit der Wiedererweckung des Kraftwerks nach jahrelangem Stillstand, was die kreative Aneignung urbaner Brachen bewirken kann. Heute entfaltet sich auf den Fundamenten der Energieversorgung von einst ein riesiges Kulturlabor, in dem künstlerische Formate aller Sparten katalysiert werden, die in klassischen Institutionsmodellen keinen Platz finden. Losgelöst von musealen Routinen...


















