Polen
TdZ+Erstaufgeführt
Landestheater Halle: Karl von Sławomir Mrożek
Erschienen in: Theater der Zeit: Beobachtungen, Erfahrungen, Tendenzen (01/1976)
Assoziationen: Europa
Karl wird von Großvater und Enkel gesucht. Den alten Feind will Opa endlich mit der Flinte erschießen. Dazu braucht er vom Augenarzt eine Brille. Zuerst wehrt sich der Arzt. Dann wird er selbst mittels der eigenen Brille als Karl definiert. Um sich zu retten, stellt der Augenarzt einen erwarteten Patienten als Karl in Aussicht. Opa erschießt den Fremden ungeprüft. Das ist kein Ende. Opa und Enkel künden ihre Rückkehr an, wollen weiter die Karls verfolgen. Und der Augenarzt denunziert einen neuen Patienten, der sich mit dem Namen Karl anmeldet, wie gewünscht sogleich.
In »Karli! geht es um Gebrauch von und um Verhalten zu Gewalt. Opa und Enkel berufen sich auf das traditionelle Selbsthelfertum im Protest der Unterschichten. Aber sie setzen Gewalt blindlings ein. Insofern ist der Karlismus faschistische Ideologie. Der altershinfällige, die Gewalt vollstreckende Großvater und der kraftstrotzende, das Wort führende Enkel sind als fixierte Leute beschrieben. Der Augenarzt ist hingegen als Figur notiert, deren Verhalten sich ändert. Er setzt zuerst humane Argumente ein, sucht dann listig auszuweichen, liefert schließlich einen Unbeteiligten feige an Mörder aus, erfindet sogar Begründungen für den Mißbrauch von Gewalt, und zuletzt folgt die überzeugte Denunziation. Im Stück wird ein Intellektueller als kapitulierender Opportunist demontiert.
Der...















