Polen
TdZ+Erstaufgeführt
Volkstheater Rostock / Landestheater Halle: Laokoongruppe von Tadeusz Różewicz
Erschienen in: Theater der Zeit: Beobachtungen, Erfahrungen, Tendenzen (01/1976)
Assoziationen: Europa
Ein Kunstwissenschaftler kehrt von einer Reise nach Rom zurück. Wieder in der Familie, setzt er mit Großvater und Frau das Bemühen fort, den Sohn auf das künstlerisch »Wahre, Gute und Schöne« zu verpflichten. Die Familie verlangt dem Vater ab, seinen Eindruck von der Laokoongruppe zu schildern. Aber in Rom sah er nur die Gipskopie, das Original war zur Restaurierung. Zu Hause erweist sich sein und seiner Familie Verhältnis zur Kunst als unecht, äußerlich, leer. Schließlich sagt der vom Sachlichen überzeugte Sohn der Kunst ab, gewinnt erst den Vater, dann den Großvater für seine Position.
Różewicz kritisiert ein steriles Verhältnis zur Kunst.
Am Volkstheater Rostock korrigierte man die Dramaturgie des Stücks. Das erste und dritte Bild werden als Träume des vor dem Fernsehapparat einschlafenden Kunstwissenschaftlers vorgeführt. Damit sind die Beschreibungen des Autors als Wünsche und Ängste einer bornierten Figur um bewertet, zugleich ist die in beiden Bildern an ihr geübte Kritik stark verwässert. Bei Różewicz haben die Szenen keine irgenwie illustrierende Funktion; im ersten Bild überführen die Zoll beamten den Kunstwissenschaftler, er bringe die Ästhetik Kierkegaards ins Land mit, im dritten Bild erweist sich, der Kunstwissenschaftler ist zwar Kenner der vielgestaltigen in der Plastik praktizierten Moden, aber nur Schwätzer ohne tieferes...















