Theater der Zeit

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Teilrealitäten

Wie spricht man über die hierzulande nahezu unbekannte Republik Moldau – und wie erst über ein Land, das es offiziell gar nicht geben darf, das von keinem anderen Land anerkannt wird und einfach trotzdem existiert, das Pässe ausgibt, seine Grenzen kontrolliert und eine eigene Fußballmannschaft unterhält? Die Rede ist von Transnistrien. Wie macht man eine Veranstaltung über die Menschen, die dort, tief im östlichen Europa, in zwei mittlerweile verfeindeten Hauptstädten leben? Man verführt das Publikum am besten durch Entspannung. Und verwandelt das Theater in einen Campingplatz – eine Methode, um sich stressfrei in die Fremde zu begeben: ‚Moldova Camping‘. Der Titel der Veranstaltung ist Programm. Für den Westen sind selbst gebastelte Länder schwer vorstellbar. Für ihre Bewohner sind sie ihr Alltag und der ist nicht eben leicht zu handhaben. Jenseits des Grenzflusses, jenseits des Dnjestr, wird die neue nationale Identität auf Abwehr gegründet. Ihr, der Republik Moldau, der Feindin von drüben, der vermeintlichen Möchtegern-Europäerin und also Sowjetverräterin, schlägt im von Russland geduldeten und unterstützten Nachbarland die Ablehnung der Transnistrier in Permanenz entgegen. Denn so absurd es scheinen mag, viele Transnistrier sind stolz auf ihre neue Heimat.

von Ines Kappert

Erschienen in: Moldova Camping – Republik Moldau – Kunst, Theater und getrockneter Fisch (03/2010)

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