Polen
TdZ+Erstaufgeführt
Theater Stralsund: Und wenn du König, wenn du Henker bist von Tadeusz Nowak
von Martin Linzer
Erschienen in: Theater der Zeit: Beobachtungen, Erfahrungen, Tendenzen (01/1976)
Assoziationen: Europa
Den poetischen Ort des Geschehens stattete (als Gast) Volker Walther aus: ein mannshohes Podest beherrscht den Hintergrund, auf das rechts und links Schrägen hinaufführen, dieses praktikable Spielgerüst und den engen Raum dazwischen bedeckt ein grünes Tuch, am Anfang dicht bestreut mit Äpfeln (das Paradies), alles überdacht von einer riesigen Laubkrone theatraler Spielort, der Dorfanger ist, Flußlandschaft, Wald, oder einfach: Universum. In dieser poetischen Landschaft, nicht eingeengt durch »Milieu«, entfaltet sich die theatralische Vision des Bauernburschen Piotr in der Stralsunder Aufführung von Tadeusz Nowaks Romandramatisierung (s. Stückabdruck und Kommentar in TdZ 10175), inszeniert von Wolfgang Heiderich (Dramaturgie Heiner Maaß).
Unterstützt durch das beschriebene, dem Stück ästhetisch adäquate Bühnenbild gelang dem Stralsunder Ensemble eine Aufführung, die sich ganz der polnischen Spezifik des Stücks verpflichtet zeigt und dennoch unserem Publikum durch Genauigkeit und Konkretheit realistischer Spielweise die »Moral« des Stücks nahebringt und nachvollziehbar macht. Deutlich konstituiert die Inszenierung das Vorspiel als »realen« Ausgangspunkt für die folgenden »Visionen« des jungen Helden: Piotr will seinen gerade geborenen Sohn nicht annehmen, den Großvater Jakub ihm bringen will, er fühlt sich unrein, gezeichnet durch das Töten, dem er ausgesetzt war im Krieg, fürchtet, das Kind könnte davon Schaden nehmen - und folgerichtig findet die Inszenierung am Schluß...
















