Polen
TdZ+Erstaufgeführt
Bühnen der Stadt Magdeburg: Wenn er nicht da ist von Tadeusz Peiper
von Wolfgang Kröplin
Erschienen in: Theater der Zeit: Beobachtungen, Erfahrungen, Tendenzen (01/1976)
Assoziationen: Europa
Daß dieses Stück von unseren Theatern nicht mehr genutzt wurde, halte ich angesichts zu bilanzierender Positiva für eine Unterlassungssünde unserer »Tage der polnischen Theaterkunst«. Dabei galt es seit langem als »Geheimtip« (und Material zu Autor und Werk lag vor /TdZ 4/75). Der Sozialist Peiper beschränkt sich hier nicht auf rigoroses Moralisieren. Die 1933 angesichts der faschistischen Gefahr in diesem Stück vorgenommene, künstlerisch ungewöhnliche Darstellung der Bündnisfrage auf dem historischen Hintergrund des Krakauer Arbeiter-Aufstandes von 1923 erweist ihn auf der Höhe des theoretischen Verständnisses der ganzen geschichtlichen Bewegung. Diese Leistung Peipers wird denn auch in der Magdeburger Aufführung zur Quelle eines fortwirkenden hohen Maßes an Aktualität in einem lohnenden, originellen Theater-Erlebnis.
Der Aufstand ist nicht unmittelbarer Gegenstand des Bühnenvorgangs, sondern Anlaß zur Frage nach den Ursachen der tragischen Niederlage. Prononciert und theatralisch wirksam setzt Peiper vornehmlich die objektiven Bündnispartner der Arbeiter ins Bild: in einer kleinen Wohnung finden sich sozialdemokratische Anführer, Intellektuelle, Kleinbürger. Sie befragter unter dem Maßstab der revolutionären Ereignisse draußen, entlarvt präzis in konsequent-polemischer Zuspitzung persönlichen Vorteil kalkulierenden Verrat, labile Haltung, aufbrechende Widersprüche und Feindschaft von geradezu faschistischer Prägung. Es geht nicht um die komplexe, direkte Widerspiegelung eines historischen Ereignisses, sondern eine - das Ko-Fabulieren des Publikums provozierende und...















