Architektur/Landschaft
Erschienen in: Arbeitsbuch 2026: Setting the Stage, Vol. 3 – Contemporary Spaces (07/2026)
Architektur- und Landschaftsräume markieren im zeitgenössischen Theater einen eigenen performativen Raum. Sie sind nicht nur Anordnungen, die durch Handlung aktiviert werden, sondern wirksame Gefüge der Wirklichkeit, die dem Geschehen bereits vorausliegen. Schwerkraft, Materialität, Wetter, Maßstab und historische Einschreibungen strukturieren Wahrnehmung und Bewegung, bevor künstlerische Entscheidungen überhaupt greifen. Der vorgefundene Naturraum oder Elemente daraus, Räume urbaner Architekturen und Atmosphären erscheinen nicht als Kulisse, sondern als Bedingung mit eigener dramaturgischer Logik.
Landschaft als Einschreibung
Das zeigt sich besonders im Prykarpattian Theater. Diese Region der Karpaten in der Westukraine ist nicht bloß Umgebung, sondern ein Raum, in den politische Gewalt, Kriegserfahrung und Erinnerung eingeschrieben sind. Landschaft ist hier als Zeugenraum ausgewählt und nicht als Aussicht gedacht: Sie grenzt touristische Bewegung ein und prägt das, was im Raum der schönen Landschaft darüber hinaus sichtbar oder sagbar wird. Aufführung arbeitet damit nicht auf dem neutralen Boden der Region, sondern in einem Feld, dessen historische Bedeutung bereits gesetzt und verschwunden ist.
Architektur als Zeitkörper
Auch architektonische Räume treten mit einer solchen Eigenmacht auf. Das Kraftwerk Berlin ist ein Aufführungsort wie auch ein materiell aufgeladener Zusammenhang aus industrieller Vergangenheit, Nachhall, Temperatur und räumlicher Dimension. Seine Architektur erzeugt Rhythmen, Widerstände und Zeitlichkeiten, die das Geschehen mitbestimmen. Was hier...
















