Editorial
Erschienen in: ixypsilonzett: Ein Blick in das frankophone Kinder- und Jugendtheater (03/2015)
Wussten Sie schon, dass Französisch die zweithäufigste Muttersprache der EU-Bürger ist? Dass die französische Sprache Amtssprache bei UNESCO, von OECD und NATO ist? Das 57 Mitgliedsstaaten und 20 weitere Länder mit „Beobachterstatus“ sich zur Frankophonie zählen? Wir alle in Deutschland werkeln uns mit der „Working Language“ Englisch durch, wenn es international sich zu verständigen gilt. Unser unmittelbarer Nachbar jenseits des Rheins ist uns merkwürdigerweise sprachlich nicht sehr nahe; und die Kinder- und Jugendtheater kennen sich besser in anderen Landschaften aus. Die frankophonen Darstellenden Künste sind uns noch immer wenig zugänglich. Möge es an der Sprache liegen, ein überzeugendes Argument ist es wahrlich nicht. Denn wer kann schon Schwedisch, Niederländisch oder Dänisch? Aber jeder glaubt mitreden zu können, wenn es um Theater für junges Publikum in Stockholm, Amsterdam oder Kopenhagen geht. 220 Millionen Menschen auf der Welt gehören der Frankophonie an. Aber was ist das eigentlich? Geht es um eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Identität oder um eine politische Institution? Dies zu klären, würde den Rahmen eines Magazins für Kinder- und Jugendtheater sprengen; aber aus gegebenem Anlass wollen wir den Versuch unternehmen, Einblicke in die frankophone Theaterkunst zu gewähren.
Vor 50 Jahren wurde die ASSITEJ in Paris gegründet und deshalb verwenden wir seitdem das französische Akronym für Association Internationale du Théâtre de l’Enfance et la Jeunesse. Grund genug, sich den französischen Freunden und deren Freunden in der Frankophonie zu widmen. Als Ermunterung, sich mit den frankophonen Erscheinungsformen des Kinder- und Jugendtheaters zu beschäftigen.
Cyrille Planson, der Präsident der ASSITEJ Frankreich gibt Auskunft und Antonia Blau schreibt über das Theater „Massalia“ aus der zweitgrößten Stadt Frankreichs; Andrea Maria Erl und Jutta Staerk berichten von der frankokanadischen Szene in Montreal und Susanne Freiling vom frankophonen Festival in Kamerun; Silvia Brendenal porträtiert das französischsprachige Theater „Gare Central“ im belgischen Brüssel und Fabrice Melqiuot aus Genf in der französischsprachigen Schweiz stellt das Konzept des von ihm geleiteten „Théâtre Am Stram Gram“ vor. Die ASSITEJ Deutschland vermittelt darüber hinaus Begegnungen der Künstler, letztes Jahr in Kingersheim bei „Momix“, bei „Starke Stücke“ in Frankfurt am Main, vergangenen Januar in Forbach bei „Artbrücken“, demnächst im April in Nantes bei „Petits et Grands“. Und im Archiv kann man immer noch mal im Buch „Kinder- und Jugendtheater in Frankreich“ nachschlagen (Reihe: Kinder- und Jugendtheater der Welt, Band 5, Tübingen 2001).
Es gibt den bedeutenden Elysée-Vertrag, der 1963 die deutsch-französische Freundschaft besiegelte, es gibt Hunderte von deutsch-französischen Städtepartnerschaften, es gibt Tausend Projekte des Deutsch-französischen Jugendwerks, es gibt die Deutsch-französische Hochschule und den deutsch-französischen Fernsehsender Arte. Was es noch nicht gibt, ist ein ausgeprägter Austausch zwischen dem deutschen Kinder- und Jugendtheater und dem Théâtre Jeunes Public Frankreichs und der Frankophonie. Gerade das aus Paris propagierte Programm „La Belle Saison“ bietet derzeit den Rahmen für künstlerische Kooperationen „avec l’enfance et la jeunesse“.
Der 20. März ist der Internationale Tag der Frankophonie, der 20. März ist auch der Welttag des Kinderund Jugendtheaters! Welch’ schöne Koinzidenz!
Wolfgang Schneider
















