Politische Räume
Erschienen in: Arbeitsbuch 2026: Setting the Stage, Vol. 3 – Contemporary Spaces (07/2026)
Politische Räume markieren im zeitgenössischen Theater eine besondere Verschiebung. Sie sind Orte, in denen Politik thematisiert wird, und gleichzeitig aktivistische Räume, in denen Macht, Partizipation und Teilhabe selbst verhandelt werden. Der Fokus liegt neben Repräsentation ebenso auf der materiellen, strukturellen und symbolischen Wirksamkeit von Raum.
Ideologie und Alltag
In den Arbeiten von Henrike Naumann wird Ideologie in alltägliche Räume eingeschrieben. Die Schrankwand wird zum Träger von Lebensentwürfen, Klassenzugehörigkeit und politischen Vorstellungen. Räume fungieren hier nicht als neutraler Rahmen, sondern als konditionierte Felder, die bestimmte Lebensformen ermöglichen und andere ausschließen. Politik wird damit nicht dargestellt,
sondern materiell erfahrbar. Barzdžiukaitė/Granyt/Lapelytė beziehen sich dagegen
auf einen Raum, in dem Urlaub konsumiert wird.
Topografie und Erinnerung
Ilya Khrzhanovsky/DAU arbeitet mit politischen Topografien, die historisch und körperlich hoch aufgeladen sind. Landschaft, Architektur und Infrastruktur werden zu Symbolen von Erinnerung, Gewalt und Macht. Der Raum selbst ist das politische Medium, in dem sich Geschichte widerspiegelt, materialisiert und reproduziert.
Kontrolle und System
Lars Ø Ramberg richtet den Blick auf Systeme, die Sicherheit, Kontrolle und Überwachung implizieren. Räume werden hier als Räume der Macht verstanden, in denen Verhaltensweisen vorstrukturiert sind, Grenzen gesetzt und Teilhabe reguliert wird. Der politische Raum ist nicht nur Ort von Konflikten, sondern selbst Konflikt....
















