Polen
TdZ+Erstaufgeführt
Staatstheater Dresden / Kleines Haus: Asche und Diamant nach dem Roman von Jerzy Andrzejewski
von Jochen Gleiß
Erschienen in: Theater der Zeit: Beobachtungen, Erfahrungen, Tendenzen (01/1976)
Assoziationen: Europa
Polnische Bühnen griffen zweimal nach diesem Stoff, zuletzt das Wrocławer Teatr Polski 1973/74. Die Dresdner Bühnenfassung wurde vom Staatsschauspiel hergestellt; ihr lag Andrzejewskis Roman zugrunde, der 1948 entstand und 1961 bei uns in deutscher Übersetzung von Henryk Bereska erschien. Aber unser Publikum sah auch Andrzej Wajdas beeindruckende Verfilmung mit Zbigniew Cybulski als Maciej Chełmicki.
Andrzejewskis politisch bemerkenswerte Prosa im Gedächtnis und den hervorragenden Wajda-Film noch vor Augen, fragt man sich, wie und warum die Bühne spezifisch theatralische Wirkungen aus dieser Geschichte zu schlagen vermag? Ging doch die Faszination des Buchs von den subtil erfaßten geistigen, moralischen und politischen Charakterhaltungen einer Fülle von Figuren aus, die im südost-polnischen Städchen Ostrowiec in den ersten Maitagen 1945 mit ihren Entscheidungen in tragische Situationen gerieten und, obwohl der Krieg zu Ende war, neue, soziale Fronten des Klassenkampfes aufbrachen. Faszination um so mehr, als dem 1909 geborenen Autor eine künstlerisch eindrucksvolle, Keime des progressiv Neuen aufdeckende Aussage gelang, die von dem ursprünglich weltanschaulichen Positionen des Katholizismus verhafteten Andrzejewski kaum zu erwarten war. Dieses Buch über den sinnlosen Kampf der vom Klassenfeind mißbrauchten antifaschistischen polnischen Untergrundbewegung gegen die Revolution, mit der leidenschaftlichen Bejahung der gesellschaftlichen Umgestaltung Polens, hat auch den deutschen Leser viel von der differenziert-komplizierten...















