1766 eröffnete auf der Rannischen Bastei zu Leipzig das erste Stadttheater Deutschlands. Gewiß ein wichtiger Moment für die deutsche Theatergeschichte, als die fahrenden Spielleute in einem Comödienhaus zum Stehen kamen, doch heute hat das Wort Stadttheater meist einen negativen Beigeschmack von Provinz und schlechter Mimenkunst. Den 225. Jahrestag jenes Comödienhauses nahm sich das Leipziger Schauspiel dennoch zum Anlaß, an vier Abenden mit Gastspielen aus Kiew, München und Heidelberg zusammen mit dem eigenen Repertoireprogramm »Festtage« auszurichten.
Das so entstandene Programm verhieß in jeder Beziehung Vermischtes mit einem starken Hang zur russisch-sowjetischen Dramatik. Der Intendant Wolfgang Hauswald wollte damit konzeptionsgemäß, so stellte er auf einem Presseempfang heraus, dem »fast völligen Verschwinden der russisch-sowjetischen Dramatik auf deutschen Bühnen« entgegenwirken. Daß dem mutigen Intendantenkonzept dabei auch ganz pragmatische Bedingungen und Zufälle zugrunde lagen, war nicht zu übersehen. So gerieten die Festtage teilweise zu einem unzeitgemäßigen Anknüpfen an die zweite Hälfte der achtziger Jahre, als in Leipzig wichtige Erstaufführungen von Romandramatisierungen Bulgakows und Aitmatows sowie des damals noch unbekannten Nikolai Erdman ihre Spuren in der Öffentlichkeit hinterließen.
Aus dieser Zeit stammt die Partnerschaft mit dem Kiewer Theater für Drama und Komödie und seinem überragenden künstlerischen Leiter, dem Regisseur Eduard Mitnizki, der vor zweieinhalb Jahren noch...