Stippvisite
TdZ+Durch das Tal
Figuren- und Objekttheater in Buenos Aires
von Tim Sandweg
Erschienen in: double 54: Dinge unterwegs – (Im-)Mobilität im Figurentheater (10/2026)
Assoziationen: Puppen-, Figuren- & Objekttheater International

In Buenos Aires findet sich eine weltweit einzigartige Theaterszene, in der Puppenspielkunst fest verankert ist. Dieser Reisebericht gibt Einblicke in das ästhetische Panorama des Genres in der argentinischen Hauptstadt, stellt dessen Organisationsformen vor und fragt danach, wie sich die Szene angesichts der aktuellen Regierungspolitik behaupten kann.
Eine Wellenlinie, eine Abfolge von Bergen und Tälern, mit der Hand in die Luft gemalt. So illustrieren viele Theaterschaffende in Buenos Aires die Entwicklung ihres Landes seit Ende der letzten Militärdiktatur 1983. Das aktuelle Tal ist besonders tief: Das hochumstrittene Programm des libertären und ultrakonservativen Präsidenten Javier Milei setzt auf strikten Sparkurs, Deregulierung der Wirtschaft, Law and Order; die Regierung leugnet den Klimawandel, baut Gleichstellungsprogramme ab, relativiert den Staatsterrorismus der Militärjunta. Von Kunstschaffenden gibt es dafür kaum Unterstützung.
Sie habe in den Wochen nach der Wahl nicht weiterproben können, erzählt zum Beispiel Tatiana Sandoval, Leiterin der Compañía cuerpoequipaje, die sich zwischen Objekttheater, Medienkunst und Physical Theatre bewegt. Wie künstlerisch auf die Krise reagieren? Das Ensemble entschied sich, die Arbeit an seiner Inszenierung „Mirar al Río. Diálogos con lo inanimado“ [„Den Fluss anschauen. Dialoge mit dem Unbelebten“] fortzuführen, die Reflexion über den Río de la Plata aber stärker mit der politischen Geschichte des Landes zu...















