Essay
TdZ+Milieu oder Gesellschaft?
Kurze Studie zum Theaterroman als Genre
von Lorenz Just
Erschienen in: Theater der Zeit: Russische Theaterkünstler im Exil (10/2026)
Assoziationen: Buchrezensionen Europa Berliner Ensemble

„Nationaltheater“ – heißt der gerade auf Deutsch erschienene Roman von Tanja Šljivar, einer serbischen Dramatikerin, die ihr Jahr als Schauspieldirektorin an eben diesem Theater aufarbeitet, dem serbischen Nationaltheater in Belgrad. Außerdem jüngst erschienen ist „Szenenwechsel“, ein Roman von Alain Claude Sulzer, der den Tod einer fiktiven Theaterkoryphäe und die dazugehörige Trauerfeier auf der Bühne des „Berliner Theaters“ beschreibt. Wenn zusätzlich in Betracht gezogen wird, dass Klaus Manns „Mephisto“ nicht zuletzt auch als Theaterroman jüngst und mehrfach auf deutschen Bühnen gespielt wird, kommt die Frage auf, was an der Gattung „Theaterroman“ so fasziniert. Eine Gattung, die mindestens so alt wäre, wie Michail Bulgakows „Aufzeichnungen eines Toten“ es sind, die vor allem unter dem simplen Titel „Theaterroman“ bekannt wurden. Und die unleugbare Verwandtschaft der angeführten Romane über Zeiten und Länder hinweg scheint die Annahme einer solchen „Gattung“ zu bekräftigen. Wodurch zeichnet diese sich nun aus? Erzählt sie über ein Milieu oder reflektiert sie Gesellschaft? Sind es Schlüsselromane, die ihre Spannung aus dem Wunsch des Publikums beziehen, einmal hinter die Kulissen zu schauen? Oder huldigen sie mit einer gewissen Sentimentalität vor allem jenem Mikrokosmos, der schon immer und mehr denn je dem Untergang geweiht zu sein scheint?
Einzigartige Theatertypen
Der Dramatikerin Dina...

















