Kolumne
TdZ+Schluss mit Lustig
von Max Glauner
Erschienen in: Theater der Zeit 10/2026: Neues Musiktheater – Krise, Kanonkritik und Zukunft (09/2026)

Geht es nach dem Kunst-Hype um Performanz und Performance jetzt bachab? Mich jedenfalls nerven die Abramović-Ausstellungen landauf, landab, Achtsamkeitsanweisungen und Triggerwarnungen auf Saalzetteln und Hinweisschildern. Die produktive Hochphase des Performativen scheint vorüber.
Ein guter Indikator fürs Performative in der Bildenden Kunst ist die Venedig Kunst Biennale. Seit 2001 der Deutsche Pavillon den Goldenen Löwen als höchste Auszeichnung für einen Länderpavillon erhielt, waren für partizipative und performative Formate alle Tore offen. Gregor Schneiders „Totes Haus U r“ wurde zum Publikumsrenner mit Schlangestehen in den Giardini. Nicht mehr andächtiges Betrachten, sondern gehen, bücken, kriechen in einer verwinkelten raum-gewordenen Seelenlandschaft des Künstlers war angesagt. Spätestens mit der 56. Venedig Biennale 2015 unter der Ägide Okwui Enwezors wurden Live-Acts und Partizipation zum Core Business des Kunstbetriebs. Dass Performativität in den 2010er Jahren im Zentrum institutioneller Anerkennung angekommen war, bestätigten auch die Goldenen Löwen an deutsche Teilnehmende mit zeitbasierten Prompts: Tino Sehgal wurde 2013 als bester Künstler der internationalen Ausstellung ausgezeichnet, Franz Erhard Walther 2017. Im selben Jahr erhielt Anne Imhof für ihre Verbindung von körperbetonter Performance, Architektur, Bild und Sound, „Faust“, den Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag. Bereits 2011 war der aus Christoph Schlingensiefs Werk postum entwickelte Deutsche Pavillon mit diesem Preis...
















