"Westwärts streicht das Schiff, ostwärts schweift der Blick": Frankfurt an der Oder, 6. August 1999: Die Stadt darf von nun an den Namen Heinrich von Kleists tragen. Einige Tage zuvor hatte sie beschlossen, ihr Kleist Theater nach der nun anlaufenden Spielzeit zu schließen, aufzulösen und abzuwickeln. Ein in jeder Hinsicht einmaliger, ja historischer Vorgang, der nach etlichen feigen Finten der Kulturpolitik (vgl. TdZ 3/99) allerdings zu befürchten war. Eine Frankfurter "Kohlhaas-Connection" möchte die ostdeutsche Tradition der Montagsdemos dagegen ins Leben zurückrufen und geißelt - in Anspielung auf die Namen der verantwortlichen Politiker in der Stadt und im Land - die Zerstörung von Vertrauen: "Das Theater wurde umge-POHL-t, der Neuanfang ist ver-PATZELT, Kultur verfällt in Arm und REICHE." Zu spät. Und dabei dürfte das nicht einmal das Ende des Desasters im Lande Brandenburg gewesen sein (siehe S. 91). Denn während Gelder aus Brüssel für eine hier als Theaterneubau deklarierte Mehrzweckhalle an der Oder eingesetzt werden - und irgendein Euro-Revisor wird irgendwann einmal die sogenannte Kleist-Stadt aufsuchen wollen -, steht die Finanzierung der zukünftig geplanten Bespielungsprojekte bereits zur Disposition. Ist ja klar, denn auch Abwickeln kostet Geld. Viel Geld. Richtig! - Kulturgelder.
In der Wagner-Stadt Bayreuth wird zwar nicht abgewickelt, aber auch...