Akteure
TdZ+Haltepunkt – Bushaltestellen im Oderbruch
Der Fotograf Holger Herschel macht in seinen Bildern Dokumentation zu Geschichten
von Cornelia Klauß
Assoziationen: Akteur:innen Dossier: Kunstinsert Holger Herschel
Erschienen am 14.8.2026

Auf den ersten Blick wirken sie verlassen. Einzig die Aushänge deuten darauf hin, dass in dieser dünn besiedelten Landschaft der Busverkehr noch aufrechterhalten wird. In seiner Serie dokumentiert der Fotograf Holger Herschel Bushaltestellen im Oderbruch, für die er den Titel „Haltepunkt“ wählte. Nicht das Funktionale steht im Vordergrund, vielmehr das Offene und Poetische eines so profanen Baus wie der Bushaltestelle. Ein Haltepunkt ist zunächst nur ein Ort, an dem etwas innehält – manchmal markiert durch ein Wartehäuschen, manchmal lediglich durch ein Schild, früher bisweilen sogar durch gar nichts. Der Bus hielt trotzdem. Das genügte.
Wartehäuschen sind Übergangsräume. Orte, an denen es keinen Grund gibt zu verweilen, dennoch Zeit verbracht wird. Im Oderbruch, zwischen Lebus, Frankfurt (Oder), Oderberg und bis hinüber an den polnischen Rand der Landschaft, erzählen sie von einer Region, deren Geschichte sich in die Landschaft eingeschrieben hat. Urbarmachung durch Trockenlegung, Flussverläufe, die verändert wurden, Kolonisten, die im 18. Jahrhundert den Kartoffelanbau hierherbrachten. Ortsnamen wie Croustillier oder Beauregard zeugen von der Besiedlungspolitik Friedrich des Großen mit französischsprachigen Zuwanderern aus der Schweiz. Kriege überzogen die Landschaft. Der junge Konrad Wolf begleitete als 19-Jähriger in sowjetischer Uniform im Lautsprecherwagen den Vormarsch der Roten Armee. Sein Film „Ich war neunzehn“ hat diese...
Erschienen am 14.8.2026



















