Nachruf
TdZ+Man kann es nicht planen, aber Zufall ist es nicht
Erinnerung an Dieter Sturm
von Thomas Oberender
Erschienen in: Theater der Zeit 09/2026: Theaterbauten – Sanierung, Neubau, Interim und andere Kostenfragen (08/2026)
Assoziationen: Carl Hegemann Dieter Sturm

Dass das eigene, selbstbestimmte Denken einen Menschen ernährt, ist im sogenannten Berufsleben ein seltenes Glück. Akademiker kennen es, Philosophen, Mathematiker oder Programmierer, und auch Dieter Sturm war kein Universalgelehrter im luftleeren Raum. Er studierte in Berlin Germanistik, Ethnologie und alte Geschichte und bevor er an ein Theater ging, mit ungefähr 60 Jahren, wurde er Dramaturg am Deutschen Theater, gründete er lieber in Westberlin mit ein paar Mitstreitern ein eigenes. Das war 1962, und sie nannten es die Schaubühne am Halleschen Ufer.
Fortan gab er dem Beruf des Dramaturgen, der im künstlerischen Bereich des Theaters der einzige akademische ist, ein anderes Profil: In ihm kristallisierte sich ein permanenter und kollektiver Verständigungsprozess über Stücke, historische Zusammenhänge und Arbeitshaltungen innerhalb des Ensembles, d. h. er war in die künstlerische Arbeit eingebettet, kein Hinterzimmergeschehen, sondern vor allen und mit allen. So wurde Sturm bis nach Skandinavien zu einem frühen, rollenprägenden Beispiel eines Dramaturgen, der Teil des künstlerischen Teams und Prozesses war.
Alexander Weigel und Carl Hegemann wurden später zu vergleichbaren Figuren eines eigenwilligen und einflussreichen Denkens im Theater, in dem es nie nur um Theater ging und das zu einem mitlaufenden Bestandteil der künstlerischen Kreation wurde. Diese Dramaturgen empfanden die Realität eines tatsächlichen Ensembles...
















