Theater der Zeit

Theater der Zeit 09/2026

Theaterbauten

Sanierung, Neubau, Interim und andere Kostenfragen

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Magazin

  • Die Stendaler Intendantin Dorotty Szalma
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    Experiment: Zukunft

    Dorotty Szalma, Intendantin am Theater der Altmark in Stendal, über die Kulturpläne der AfD in Sachsen-Anhalt, die Brandmauer-Diskussion und das Theater in ihrem Geburtsland Ungarn im Gespräch mit Stefan Petraschewsky

    Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Haben Sie Angst, dass eine AfD-Regierung demnächst in ihren Spielplan hineinreden könnte? Dorotty Szalma: Ich erlaube mir keine Angst. Denn im Grundgesetz steht …

    von Stefan Petraschewsky und Dorotty Szalma

    Foto: Blueberry PhotoArt by Laura Jankowski

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  • Saba Hosseini als Kassandra und Jonathan Perleth als Apollon
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    Theaterhaus Jena: Diese Frau ist nicht zu fassen

    „Kassandra: coming of age at the end of the world“ von Azeret Koua und Marion Hélène Weber – Regie Azeret Koua, Bühne Elizaweta Veprinskaja, Kostüme Melanie Kintzinger, Choreografie Jasmin Avissar, Musik Florian Friedel

    von Michael Helbing

    Foto: Oskar Schlechter

  • Heißer Sommer vor Brandmauer

    Als musikalische Revue an der Komischen Oper erzählt Mokka-Hits und Milchbar-Träume von Axel Ranisch die DDR-Geschichte zwischen Showtreppe und Mauer. Thorsten Merten gibt den Anti-Helden, der zwischen Propaganda-Kitsch und Brecht/Eislers Kinderhymne die Ambivalenzen eines verhunzten utopischen Potenzials auslotet.

    Zu einem Propaganda-Lied, das im brandheißen Sommer 1961 den Mauerbau feiern sollte, patrouillieren frivole Grenzer in knappen Glitzeroveralls – ein Akt der Entlarvung durch Überhöhung, wie ihn nur die Oper wagen kann.

    Laura Laabs

    Foto: privat

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  • Tom Stromberg und Joachim Meyerhoff in der Agentur Stromberg. Gerade ihre unklare Trennung zwischen beruflicher und freundschaftlicher Beziehung schätzen die beiden.
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    Dieser Zustand der Entpeinlichisierung an diesem geschützten Ort der Probebühne hat mit Freundschaft nichts zu tun

    Aus einer Probenkrise am Schauspielhaus Hamburg, in der Joachim Meyerhoff aussteigen wollte, entwickelte sich mit Tom Stromberg über Jahre eine Freundschaft zwischen Intendant und Schauspieler, später Agent und Klient – geprägt von geteilter Autonomie und gemeinsamen Angelausflügen.

    Ich habe die Probe gesehen, ich finde den Abend auch furchtbar, du bist auch nicht besonders gut in der Inszenierung. Also können wir den Vertrag auflösen. Aber ich möchte dir den Vorschlag machen: Geh bitte einmal um die Alster, und wenn du wiederkommst von diesem Spaziergang und genau das gleiche Anliegen hast, löse ich deinen Vertrag auf.

    Tom Stromberg

    von Anna Luise Kiss, Joachim Meyerhoff und Tom Stromberg

    Foto: Anna Luise Kiss

  • Samuel Beckett in den 1930er Jahren

    Bauernfrühstück unspeakable

    Samuel Becketts Tagebücher seiner Reise durch Nazi-Deutschland erstmals in vollständiger Ausgabe und Übersetzung

    Sechs im Pariser Keller gefundene Notizhefte dokumentieren Samuel Becketts Reise 1936/37 durch das nationalsozialistische Deutschland: Museumsbesuche, Alltagsbeobachtungen, Sprachstudien und Bewertungen von Bauernfrühstück – nun erstmals vollständig als zweisprachige „German Diaries“ ediert.

    Was wollen Sie am meisten gestalten? Ich sage, Licht in der Monade.

    Samuel Beckett

    von Thomas Irmer

    Foto: The Estate of Samuel Beckett

  • Wir gehen rein

    Theaterkritik und Fußballkommentar ähneln sich verblüffend: Beide arbeiten mit Fachvokabular, Metaphern und Stilblüten, um aus Live-Ereignissen Bedeutung zu schaffen – Konflikt, Wendepunkte, Dramaturgie. Ob „Zündschnur“ oder „Kaleidoskop“: beide Ressorts ringen um Deutungshoheit.

    Da wird der Ball – liebevoll – immer wieder „das Leder“ genannt, die Spieler:innen müssen „schneller umschalten“, Viererketten „kompakter stehen“, Ecken „verwandelt“ werden und ganz grundsätzlich muss das „Ding doch mal rein“. Und im Theater? Da „besticht das Werk“, indem „die Inszenierung mit etwas bricht“, bis ein „ambivalenter Eindruck bleibt“ oder sich ein „Panorama“, „Kaleidoskop“ oder „Spannungsfeld“ entfaltet.

    Lina Wölfel

    Foto: Felix Adler

  • Daniel Morgenroth
    TdZ+

    Was macht das Theater, Daniel Morgenroth?

    Vom Wechsel nach Würzburg über Namensrechte fürs Theater bis zum Festival „Die Ossis kommen!“: Gedanken zu Debattenkultur, AfD und Heimatbegriff, immersiven Spektakeln wie Malfi, Lobbyarbeit im Bühnenverein und Kulturkürzungen zugunsten von Rüstung.

    Es ist jetzt wichtig, dass wir genug Geld für Panzer und Kriegsgerät haben. Dahinter muss so Beiwerk wie Theater, Gesundheitsversorgung oder Bildungswesen jetzt endlich mal zurückstecken. Nur so werden wir unsere Demokratie verteidigen. Das sollte mittlerweile jedem klar sein.

    Daniel Morgenroth

    von Daniel Morgenroth und Stefan Petraschewsky

    Foto: Pawel Sosnowski

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Thema

  • Umbau Produktionshaus Kampnagel Hamburg, Entwurf: Lacaton & Vassal Architekten, 2021, Baubeginn 2026
    TdZ+
    Fotostrecke

    Von Kulturerbe, Ikonen und Ressourcen

    Zu aktuellen und längerfristigen Problemen des Erhalts von Theaterbauten in Deutschland

    An vielen Orten besteht Bedarf an der baulichen Transformation von Theaterhäusern – von der Instandsetzung über den Umbau bis zur Ergänzung oder zum Neubau. In einigen Städten gelingen diese komplexen Prozesse, während andere Städte an einer guten Lösung zu scheitern drohen oder im Stillstand verharren – die Ursachen sind so vielfältig wie die verschiedenen Stadtkulturen. Theaterbauten und ihre Transformation sind ein kulturpolitisches und gesellschaftliches Thema wie seit dem Theaterbauboom …

    von Annette Menting

    Foto: Lacaton & Vassal

  • Erste Probe des Gürzenich-Orchesters unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada
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    Geplatzte Träume und umkämpfte Kompromisse

    In Nordrhein-Westfalen stehen viele Theater mitten in oder kurz vor der Renovierung

    Köln ist durch. Manche haben schon nicht mehr daran geglaubt, aber nun sieht es so aus, dass Oper und Schauspielhaus Ende September wahrhaftig wieder am Offenbachplatz spielen können. Die Sanierung …

    von Stefan Keim

    Foto: Sanierung Bühnen Köln

  • Mögliches Zukunftsbild des Wuppertaler Schauspielhauses
    TdZ+

    Es geht um ein Theater neuen Typs

    Das Pina Bausch Zentrum in Wuppertal ist eins der interessantesten Theaterbauprojekte Deutschlands in einer gerade entscheidenden Phase

    Das Pina Bausch Zentrum in Wuppertal soll 2031/32 eröffnen: Archiv, Produktionszentrum und „Forum Wupperbogen“ vereint das von Diller Scofidio + Renfro entworfene Haus. Trotz explodierender Kosten von über 160 Millionen Euro steht im September die Ratsentscheidung an.

    Ein Ensemble aus 160 Amateuren, 20 Ensemblemitgliedern und 20 Studierenden hat unter der Schwebebahn getanzt. 6000 Menschen haben die Straße bevölkert und keine Autos. Es endete in einem Rave, alles geschah in einer zugleich aufregenden und vollkommen entspannten Stimmung. Das hat ein ganz anderes Bild von Tanz in die Stadt getragen.

    Bettina Milz

    von Stefan Keim

    Foto: Diller Scofidio + Renfro

  • Das Nationaltheater Mannheim
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    Milliardenprojekt mit ungewisser Zukunft

    Heftige Debatten um die Finanzierung der Opernsanierung in Stuttgart, während Mannheim und Karlsruhe ihre Theater sanieren und sich „dritte Orte“ für die Stadtgesellschaft wünschen

    Theatersanierungen in Baden-Württemberg: Die Stuttgarter Oper von Max Littmann kämpft mit explodierenden Kosten bis zu zwei Milliarden Euro. Auch Mannheims Nationaltheater und Karlsruhes Staatstheater bauen um – zwischen Denkmalschutz, Kostendruck und dem Ziel städtischer Öffnung.

    von Elisabeth Maier

    Foto: Maximilian Borchardt

  • Die städtische Kuratorin Karen Büchner
    TdZ+

    „Wir bauen an einem Ort der Demokratie“

    Der Berliner Architekt Malte Looff und die städtische Koordinatorin Karen Büchner über die Sanierung des Deutschen Nationaltheaters Weimar im Gespräch mit Michael Helbing

    Generalsanierung des Deutschen Nationaltheaters Weimar für 167 Millionen Euro von Bund und Land: Erhalt des Bestandsgebäudes statt Neubau, verteilt auf Haupthaus, Redoute und neues Werkstattgebäude. Zwischen Denkmalschutz, Barrierefreiheit, Kostendruck und dem Anspruch, einen demokratischen Ort zu bewahren.

    Wir bauen, wie gesagt, einen Ort der Demokratie. Und das ist mein Selbstverständnis: diesen Prozess so demokratieschützend wie möglich zu gestalten und diese Generalsanierung als große Baumaßnahme so in den Griff zu bekommen, dass die Leute nicht den Glauben an den Staat und an die Politik verlieren.

    Karen Büchner

    von Malte Looff, Karen Büchner und Michael Helbing

    Foto: Stadt Weimar

Akteure

  • Fotos Holger Herschel
    TdZ+
    Fotostrecke

    Haltepunkt – Bushaltestellen im Oderbruch

    Der Fotograf Holger Herschel macht in seinen Bildern Dokumentation zu Geschichten

    Auf den ersten Blick wirken sie verlassen. Einzig die Aushänge deuten darauf hin, dass in dieser dünn besiedelten Landschaft der Busverkehr noch aufrechterhalten wird. In seiner Serie dokumentiert der Fotograf …

    von Cornelia Klauß

    Foto: Holger Herschel

  • Oben und rechts: „Ulysses“ in Kassel, Bert Zander an der Kamera.
    TdZ+
    Fotostrecke

    Regie mit Delay

    Bert Zander lernte Theater als Videodesigner sehen und verstehen, bevor er es inszenierte

    Videokünstler und Späteinsteiger Bert Zander inszeniert in Kassel Ulysses nach James Joyce: Ensemble zieht durch die Stadt, wird live übertragen, während Molly Bloom im Bett auf dem Delay der Bilder zwischen Vergangenheit und Gegenwart verharrt.

    Ich bin vor fast 50 Jahren in Weimar aufgewachsen, kein klassischer Bürgerhaushalt und kein Goethe im Bücherschrank, eher usbekische Märchen und Roussos im Plattenschrank.

    Bert Zander

    von Michael Helbing

    Foto: Isabel Machado Rios

  • V.l.n.r.: Regisseur Peter Stein, Dieter Sturm und Jürgen Schitthelm 1970 bei einer Pressekonferenz der Schaubühne am Halleschen Ufer, Berlin
    TdZ+

    Man kann es nicht planen, aber Zufall ist es nicht

    Erinnerung an Dieter Sturm

    Dass das eigene, selbstbestimmte Denken einen Menschen ernährt, ist im sogenannten Berufsleben ein seltenes Glück. Akademiker kennen es, Philosophen, Mathematiker oder Programmierer, und auch Dieter Sturm war kein Universalgelehrter im luftleeren Raum. Er studierte in Berlin Germanistik, Ethnologie und alte Geschichte und bevor er an ein Theater ging, mit ungefähr 60 Jahren, wurde er Dramaturg am Deutschen Theater, gründete er lieber in Westberlin mit ein paar Mitstreitern ein eigenes. Das war …

    von Thomas Oberender

    Foto: picture alliance / Sammlung Richter

Stück

  • Thomas Brasch
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    Berlin am Meer

    Zu Thomas Braschs Drehbuch der musikalischen Komödie „Alles Glück der Welt“

    1985 mit George Stamkoski und Martin Walz entwickelt, blieb Thomas Braschs Drehbuch zur musikalischen Komödie unverfilmt. Die Geschichte spielt im West-Berlin kurz vor 2000, zwischen Mauer, Kokain und deutscher Verstrickung. Nun kommt es als Theaterfassung an die Volksbühne.

    Am Ende liegt Berlin wie Böhmen am Meer, und vielleicht wäre damals die Verbindung zu der in der deutschen Filmgeschichte abgerissenen Linie von Ernst Lubitsch und vielen anderen gelungen, die das Schwere leicht und das Leichte mit Tiefgang machen konnten.

    Thomas Irmer

    von Thomas Irmer

    Foto: Manfred Ortmann

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  • TdZ+

    Alles Glück der Welt

    Berlin 1999: Robert kehrt nach elf Jahren Internat zur Familie Küssler zurück – Vater im Rüstungsgeschäft mit arabischen Auftraggebern, Mutter beim Telefonsex, Schwester Lisa spöttisch. Eine Kontaktanzeige zur „Umerziehung“ des Sohnes bildet den Ausgangspunkt der schwarzen musikalischen Komödie.

    Diese Geschichte ist die Geschichte meiner ersten Liebe und meines ersten Todes. Sie sollte schwarz und heiter sein.

    Robert

    von Thomas Brasch

Diskurs & Analyse

  • Wolfgang Schneider, emeritierter Professor für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim
    TdZ+

    Fragile Normalität

    Wolfgang Schneider, langjähriger Vorsitzender des Fonds Darstellende Künste, über den Wandel von Förderprinzipien für die Freie Szene und seine Hildesheimer Lehre der Kulturpolitik im Gespräch mit Thomas Irmer

    Fast zehn Jahre waren Sie Vorsitzender des Fonds Darstellende Künste, der mit Bundesmitteln das Freie Theater fördert. Was waren die konzeptionellen Überlegungen und welche Erfahrungen wurden gemacht, um die Theaterlandschaft …

    von Wolfgang Schneider und Thomas Irmer

    Foto: Mathias Völzke info@mathiasvoelzke.com www.mathiasvoelzke.com

Report

  • Tiago Rodrigues
    TdZ+

    „Was uns alle bedroht, sind die Angriffe auf Pluralität“

    Der portugiesische Regisseur Tiago Rodrigues, Leiter des Festivals in Avignon, im Gespräch

    Rechtsextreme Parteien wie Rassemblement National und AfD greifen gezielt die Freiheit der Kunst und öffentliche Kulturinstitutionen an. Beim 80. Festival d'Avignon verteidigt Leiter Tiago Rodrigues Kunst als demokratischen öffentlichen Dienst – etwa mit Julien Gosselins fünfstündiger Produktion Maldoror.

    Was uns alle bedroht, sind die Angriffe auf die Pluralität und auf neue Ideen. Zunehmend geraten das Neue, Diversität, komplexe Kunstformen ins Visier. Doch gerade diese haben die Menschen über die Jahrhunderte weitergebracht. Angriffe auf den öffentlichen Kulturdienst, wie wir sie heute erleben, sind Angriffe auf neue Gedanken, die unser Leben positiv verändern können.

    Tiago Rodrigues

    von Elisabeth Maier

    Foto: Christophe Raynaud de Lage

  • „Ohne Worte“, inklusives Tanztheater vom Carl-Orff-Gymnasium Unterschleißheim
    TdZ+
    Fotostrecke

    Schneisen in die Gegenwart schlagen

    Das Festival Schule macht Erinnerung an den Münchner Kammerspielen zeigt Schultheaterproduktionen und eine eigene Inszenierung zum Thema

    Fünf Schultheater-Produktionen aus Bayern setzten sich beim Festival „Schule macht Erinnerung“ an den Münchner Kammerspielen mit dem Nationalsozialismus auseinander – von den Olympischen Spielen 1936 über NS-Euthanasie bis zu den Edelweißpiraten – und schlugen dabei stets den Bogen zur Gegenwart.

    Es ist ein trauriges Thema, aber dass wir uns damit beschäftigen, ist gut.

    Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums Haar

    von Anne Fritsch

    Foto: Tobias Keck

  • „Tell me why“, ein Projekt der Münchner Kammerspiele
    TdZ+

    Jenseits des Schubladendenkens

    Acht jugendlichen Performer:innen und Ko-Regisseurin Sapir Heller über „Tell me why“ von Autor und Regisseur Martin Valdés-Stauber im Werkstattgespräch mit Rebecca Maria Fischer

    von Rebecca Maria Fischer

    Foto: Sima Dehgani

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