In ihrem letzten Stück würden nur noch Tiere sprechen, sagt die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Nicolas Stemann, Regisseur der Uraufführung, steht zu Beginn selbst auf der Bühne und liest diese knappe Botschaft vor. Jelinek erkundet in komplexen, schwer zu durchdringenden Textflächen Mechanismen des Kapitalismus, die Stemann mit den Schauspieler:innen des Burgtheaters in dieser Ko-Produktion nicht nur zu entschlüsseln versucht, sondern auch als düstere Zukunftsvision weiterdenkt. Denn am Ende übernimmt Künstliche Intelligenz die Macht auf der Bühne. Dann sind die Menschen ganz verstummt.
Der Ritt in die Zukunft, auf die Stemann das Publikum in der vierstündigen Produktion mitnimmt, verstört und überzeugt. Pausen gibt es nicht. Das Publikum darf jederzeit den Saal verlassen und sich in der Salinenhalle ein Getränk holen. Bildschirme übertragen das Geschehen nach außen. Zwar nervt die Selbstinszenierung des Regisseurs, wenn er im Verlauf des Abends immer wieder das Wort ergreift. Stemanns „Textumsetzungsmaschine“, wie er seine Inszenierung am Anfang bezeichnet, wird Jelineks Literatur jedoch sehr gerecht.
Die Nobelpreisträgerin macht ihre Kapitalismuskritik an realen Personen fest. Da hat sie den österreichischen Handelsunternehmer René Benko im Blick: Über seine Geschäftspraktiken sinnieren Tauben. In dunklen Business-Anzügen (Kostüme Marysol del Castillo) berichten Caroline Peters, Mavie Hörbiger und Azaria Dowouna-Hammoud von den Kaufhäusern...
Erschienen am 18.9.2026