Gespräch
TdZ+Was macht das Theater, Bernhard Schütz?
von Bernhard Schütz und Volker Gebhart
Assoziationen: Dossier: Was macht das Theater...?
Erschienen am 18.9.2026

Es gibt in Christoph Schlingensiefs „Die 120 Tage von Bottrop“ (1997) eine Szene, in der er einen wichtigen Aspekt seiner Arbeit heraushebt: die Störung. Dort spricht Dietrich Kuhlbrodt in seiner Rolle als Kritiker mit Mario Garzaner, der wiederum Rainer Werner Fassbinder parodiert. Garzaner kommandiert, Kuhlbrodt müsse das machen, was er sage. Darauf entgegnet der: „Ich mache das auch, aber nicht genau. Ich mache die Störung und du musst sie produktiv machen.“
Bernhard Schütz: Die Störung war ein absolut zentrales Element von Christophs Herangehensweise. Sie fand sich auch in seinen Hörspielproduktionen wieder. Als wir zum Beispiel mit Margit Carstensen in seiner Wohnung „Lager ohne Grenzen“ (1999) aufgenommen haben, sind wir da einfach durchgerast. Wir haben als Quellen irgendwelche Zeitschriften und Bücher aus dem Regal gezogen und das thematisch zusammengeschraubt. Beim Schnitt hat Christoph das alles nicht gefallen. Er hat die Regler dann irgendwann in den Zerrbereich geschoben. Sofort war das komplett anders und nahm eine ganz neue Existenzialität an.
In Bezug auf die Störung fällt mir eine Szene aus „Talk 2000“ ein. Da verlässt Schlingensief als Moderator mitten in der Sendung plötzlich den Raum. Die Situation war aus dem Ruder gelaufen: Gotthilf Fischer sang auf der Couch mit Kitten Natividad...
Erschienen am 18.9.2026
















